Berlin hat im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Musiklegenden empfangen, die ihre Spuren in der Hauptstadt hinterließen. Während Elvis Presley bereits in den 1950er-Jahren mit seinem Rock ’n’ Roll eine ganze Generation begeisterte und Michael Jackson 2002 mit seinem Balkon-Skandal im Hotel Adlon weltweit für Schlagzeilen sorgte, versetzte eine andere legendäre Band Berlin schon Jahrzehnte zuvor in Aufruhr. Am 15. September 1965 eskalierte ein Konzert der Rolling Stones in der Waldbühne derart, dass am Ende eine Spur der Verwüstung zurückblieb. Heute, 61 Jahre später, zählt der einstige Schauplatz der Ausschreitungen zu den berühmtesten Open-Air-Bühnen Europas.

Am 15. September 1965 traten die Rolling Stones erstmals in West-Berlin auf. Rund 21.000 überwiegend junge Fans strömten in die Waldbühne, um Mick Jagger und seine Band live zu erleben. Doch schon während des Vorprogramms heizte sich die Stimmung auf. Als die Rolling Stones gegen 21:30 Uhr die Bühne betraten, durchbrachen zahlreiche Jugendliche die Absperrungen. Ein Fan sprang Mick Jagger sogar in den Rücken und riss ihm die Jacke vom Leib. Die Band musste ihren Auftritt unterbrechen und beendete das Konzert nach insgesamt nur rund 20 bis 30 Minuten.
Nach dem abrupten Ende eskalierte die Situation vollständig. Enttäuschte Fans rissen hölzerne Sitzbänke heraus, zertrümmerten das Mobiliar und legten Feuer. Flaschen und Steine flogen auf die Einsatzkräfte, die mit Schlagstöcken, Polizeihunden und Wasserwerfern reagierten. Die Ausschreitungen dauerten mehrere Stunden und griffen auch auf die Umgebung über. Rund 85 Menschen wurden festgenommen, zahlreiche Besucher und Polizisten verletzt. Der Sachschaden belief sich auf mehrere Hunderttausend D-Mark. Die Waldbühne war so schwer beschädigt, dass sie über Jahre hinweg nur eingeschränkt genutzt werden konnte.

Der Skandal hatte sogar politische Folgen in der DDR. Die SED-Führung nutzte die Ausschreitungen als Argument gegen westliche Beatmusik und verschärfte ihre Kulturpolitik. In Leipzig wurden kurz darauf 44 von 49 registrierten Amateur-Beatbands verboten. Als Jugendliche am 31. Oktober 1965 dagegen protestierten, griff die Volkspolizei gewaltsam ein und nahm 267 Menschen fest.
Erst in den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Waldbühne wieder zu einem bedeutenden Konzertort. 1980 trat Bob Marley dort auf, 1982 erhielt die Bühne ihre charakteristische Zeltdachkonstruktion. Im selben Jahr kehrten auch die Rolling Stones an den Schauplatz ihres legendären Skandalkonzerts zurück. Weitere Auftritte folgten 2014 und 2022.
Heute, 61 Jahre später, bietet die Waldbühne Platz für mehr als 22.000 Zuschauer und gehört zu den bekanntesten Freiluftbühnen Europas. Internationale Rock- und Popstars sowie die Berliner Philharmoniker treten regelmäßig dort auf. Damit hat sich der einstige Schauplatz eines der größten Konzertskandale Berlins zu einer der renommiertesten Musikadressen der Hauptstadt entwickelt.