Wer im Fotografiska Berlin die Haupttreppe hinaufgeht, läuft an Graffiti aus den 1990er-Jahren vorbei, dazu Punk-Sticker und Plakate. Die Wände haben die Sanierung bewusst überstanden. Das Museum für zeitgenössische Fotografie sitzt im ehemaligen Kunsthaus Tacheles an der Oranienburger Straße in Mitte, und der Bau hat seit seiner Eröffnung vor 118 Jahren einige Leben hinter sich. Täglich von 10 bis 23 Uhr geöffnet, kann man hier Kunst sehen und anschließend oben unter der Glaskuppel einen Cocktail trinken.

Vom Kaufhaus zur Ruine, vom Squat zum Museum
Zwischen 1907 und 1908 entstand an der Oranienburger Straße ein Konsumtempel mit der Friedrichstraßenpassage, damals eine der größten Einkaufspassagen der Stadt. Das Gebäude aus Stahlbeton trug über der Mittelhalle eine der ersten Stahlbetonkuppeln Berlins. Später nutzten es unter anderem die AEG, die Nationalsozialisten und der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund der DDR. Der Krieg beschädigte es schwer.
Im Februar 1990, wenige Monate nach dem Mauerfall, stiegen junge Künstlerinnen und Künstler durch ein Fenster der halb abgerissenen Ruine und besetzten sie. Die Initiative Tacheles e.V. verhinderte so die Sprengung. Im Haus entstanden Ateliers, Galerien, ein Kino, Bars und Konzerträume, im Hinterhof ein Skulpturengarten. Im September 2012 mussten die Künstler ausziehen. Seit 2014 gehört das Areal der Entwicklungsgesellschaft PWR. Die Architekten Herzog & de Meuron behandelten die Hülle des denkmalgeschützten Hauses als historisches Zeugnis und erhielten Kriegsspuren und Graffiti. Im September 2023 eröffnete hier das Fotografiska.

Was Sie im Fotografiska erwartet
Die Ausstellungen auf rund 1.100 Quadratmetern zeigen Berliner Nachwuchsfotografen ebenso wie etablierte internationale Namen. Im Mittelpunkt stehen ökologische, politische und gesellschaftliche Themen. Insgesamt hat das Haus auf sechs Etagen rund 5.500 Quadratmeter. Dort finden auch Konzerte, Künstlergespräche, Lesungen und Konferenzen statt. Eine Besonderheit: Getränke und Hunde dürfen mit in die Ausstellungsräume.
Ganz oben, in der Glaskuppel, liegt die Rooftop-Bar Clara mit Blick über die Stadt, abends bis spät geöffnet. Im Haus gibt es außerdem das Restaurant Veronika, ein Café, eine Bäckerei, ein Bistro und einen Concept Store mit Design, Kunst und Mode Berliner Labels. Hinter dem Gastro-Konzept steht Yoram Roth, Präsident von Fotografiska Berlin und Mitinhaber von Kater Blau und Clärchens Ballhaus.
Das Haus gehört privaten Investoren und arbeitet gewinnorientiert. Die Bars und Restaurants sollen die Kunst mitfinanzieren. Dieses Prinzip sorgt für Debatten, denn viele sehen im Wandel vom Squat zum Prestigeprojekt ein Symbol für das veränderte Berlin. Ehemalige Tacheles-Künstler kritisieren, der Ort sei heute vor allem kommerziell.
Praktische Infos
- Adresse: Oranienburger Straße, Mitte
- Anfahrt: S1, S2, S25 oder S26 bis Oranienburger Straße, U6 bis Oranienburger Tor
- Öffnungszeiten: täglich 10–23 Uhr
- Tickets: Erwachsene 14 bis 16 Euro, je nach Wochentag; 8 Euro ab 65 Jahren und bis 25 Jahre; Kinder bis 12 Jahre frei
Aktuelle Ausstellungen und Preise finden Sie auf der offiziellen Website des Fotografiska Berlin.