Hinter der Schaubühne am Lehniner Platz wächst heute ein Wald, wo einst Tennisbälle über die Netze flogen. Die neun historischen Tennisplätze an der Cicerostraße in Berlin-Wilmersdorf liegen seit 2007 brach. Seither hat sich die Natur das Gelände Stück für Stück zurückerobert und die einstige Sportanlage in ein dicht bewachsenes Waldstück verwandelt. Doch nun sorgt ausgerechnet dieser neu entstandene Wald für einen Konflikt: Auf dem Gelände sollen 70 neue Wohnungen entstehen. Obwohl das Bauvorhaben bereits genehmigt wurde, könnte der Baumbestand die Umsetzung erheblich verzögern.

Damals: Treffpunkt der Berliner Szene
Die Anlage gehört zum Wohnkomplex von Architekt Erich Mendelsohn, der zwischen 1925 und 1931 im Stil der Neuen Sachlichkeit entstand. Mittendrin ließ er die Tennisplätze anlegen, umringt von Wohnhäusern, aus denen die Nachbarn aufs Spiel hinunterschauen konnten.
Wegen der Nähe zum Ku’damm galten die Plätze als Institution. Erich Kästner spielte hier, und Vladimir Nabokov verdiente sich als Tennistrainer etwas dazu. Später kamen Regisseur Luc Bondy und Schauspieler Dieter Hallervorden. Willy Brandt soll gern zugeschaut haben, und Johannes Mario Simmel soll in der zugehörigen Gaststätte einen Roman geschrieben haben.

Jetzt: Brache, Baugenehmigung und Förster
2007 kaufte die britische Investmentfirma Shore Capital die Anlage dem Land Berlin ab. Seitdem steht sie leer. Durch den Zaun sieht man noch den roten Sandbelag und die weißen Linien der Spielfelder. Sträucher, Bäume und Unkraut haben den Rest überwuchert.
Dabei steht der gesamte Komplex an der Cicerostraße samt Sportanlage unter Denkmalschutz. Anwohnerinnen und Anwohner kämpfen seit 13 Jahren gegen die Bebauung und sind auch vor Gericht gezogen. Anfangs war von sogenannten Kreuzhäusern mit 40 Wohneinheiten die Rede. Anfang 2026 erging dann die Baugenehmigung für ein Haus mit 70 Wohnungen im Hof. Der Kampf um die Fläche schien damit fast verloren.
Jetzt wendet sich die Lage. Der Umweltstadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf warnt, dass auf dem Gelände ein ganzer Wald gewachsen ist. Die Fläche gilt damit als Wald, und der Bau würde ihn beseitigen. Förster sollen nun entscheiden, wie es weitergeht. Zusätzlich soll ein Untersuchungsausschuss im Bezirksamt klären, wie die Fläche überhaupt als bebaubar eingestuft wurde, obwohl sie als Teil des Denkmals als unbebaubar galt.
Was ihr jetzt wissen solltet
- Wo: Cicerostraße in Wilmersdorf, direkt hinter der Schaubühne am Lehniner Platz.
- Zugang: Das Gelände ist eingezäunt und nicht öffentlich zugänglich. Von der Straße aus sieht man nur einen Teil.
- Stand: Es ist offen, ob die ehemaligen Tennisplätze als Grünfläche erhalten bleiben oder bebaut werden.
Die Entscheidung der Förster dürfte zeigen, ob aus der „wildromantischen Brache“, wie eine Zeitung sie einmal nannte, ein dauerhafter Stadtwald wird. Bis dahin lohnt sich ein Spaziergang durch die Cicerostraße, vorbei am Zaun und an den Resten des roten Sandbelags.