Neuheiten in der Hauptstadt sind immer ein Grund zur Freude. Denn während wir uns von einigen beliebten Orten verabschieden müssen, dürfen wir uns gleichzeitig auf spannende Neueröffnungen und Veränderungen freuen. Eine davon befindet sich direkt an der Spree: Mitten in Berlin wurde eine ehemals weitgehend unzugängliche Fläche am Wasser in einen öffentlichen Erholungsort verwandelt. Wo über Jahrzehnte Brachflächen und ungenutzte Uferabschnitte das Stadtbild prägten, können Berlinerinnen und Berliner heute direkt am Wasser spazieren gehen, entspannen und den Blick auf die Spree genießen.

Der neue Spreeuferweg am Paula-Thiede-Ufer befindet sich in Berlin-Mitte, gegenüber dem bekannten Holzmarkt 25 und dem Radialsystem sowie in unmittelbarer Nähe zur Bundeszentrale der Gewerkschaft ver.di. Die Umgestaltung ist Teil eines größeren Vorhabens, das Spreeufer wieder stärker für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Besonders vor dem Hintergrund der jahrzehntelangen Diskussionen über die Bebauung der Uferflächen und das Stadtentwicklungsprojekt Mediaspree hat der neue Abschnitt eine besondere Bedeutung.
Am 26. Juni 2026 wurde der erste Bauabschnitt des neuen Spreeuferwegs offiziell eröffnet. Das Projekt befindet sich in der Nördlichen Luisenstadt und erstreckt sich zwischen dem Wilhelmine-Gemberg-Weg und der Schillingbrücke. Insgesamt werden für das Uferwegprojekt rund 5,5 Millionen Euro veranschlagt. Im Zuge der Umgestaltung wurden neue Wege angelegt, Bäume gepflanzt und verschiedene Grünflächen geschaffen. Zusätzlich wurden Bänke und Fahrradbügel installiert, die den Aufenthalt am Wasser angenehmer machen sollen. Der öffentlich zugängliche Bereich bietet damit neue Möglichkeiten, die Spree abseits des Straßenverkehrs zu erleben.
Eine besondere Attraktion ist der sogenannte Spreebalkon. Dabei handelt es sich um einen erhöhten Aufenthaltsbereich, von dem aus Besucher einen freien Blick auf den Fluss genießen können. Über eine Rampe ist der Bereich auch barrierefrei erreichbar. Neben den neuen Grün- und Aufenthaltsflächen wurden vier sogenannte Geschichtsinseln eingerichtet. Diese informieren über die industrielle Vergangenheit des Gebiets, die Zeit der deutschen Teilung und die Veränderungen nach dem Mauerfall. Damit verbindet der neue Uferweg Erholung im Grünen mit einem Einblick in die Berliner Stadtgeschichte.

Seinen Namen verdankt das Paula-Thiede-Ufer einer außergewöhnlichen Persönlichkeit der deutschen Arbeiterbewegung. Paula Thiede wurde am 6. Januar 1870 in Berlin geboren und arbeitete zunächst in einer Druckerei. Schon früh engagierte sie sich für bessere Arbeitsbedingungen und die Rechte von Arbeiterinnen. Im Jahr 1898 übernahm sie den Vorsitz des Verbandes der Buch- und Steindruckerei-Hilfsarbeiter und -arbeiterinnen Deutschlands. Damit wurde sie zur ersten Frau weltweit, die eine Gewerkschaft leitete, in der sowohl Frauen als auch Männer organisiert waren. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1919 setzte sie sich für die Interessen der Beschäftigten ein.
Die Benennung des Ufers erinnert an ihre historische Bedeutung und steht zugleich in direktem Zusammenhang mit der benachbarten Bundeszentrale der Gewerkschaft ver.di. Der neue öffentliche Raum würdigt damit nicht nur eine wichtige Persönlichkeit der Berliner Geschichte, sondern auch die lange Tradition der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung in der Hauptstadt.