Dass Berlin für seine legendäre Techno-Szene bekannt ist, ist längst kein Geheimnis mehr. Vom Berghain mit seiner berüchtigten Tür über das KitKat mit seinen außergewöhnlichen Dresscodes bis hin zu Clublegenden wie dem Tresor: Liebhaber harter Beats kommen in der Hauptstadt seit Jahrzehnten auf ihre Kosten. Und das ist keineswegs eine neue Entwicklung. Schon vor rund 30 Jahren hatte Berlin einen Club, der als „härtester Club der Welt“ galt. Die Rede ist vom Bunker in der Reinhardtstraße 20 in Berlin-Mitte, der mit seinen Techno-, Fetisch- und Fantasy-Partys zur Legende der Berliner Clubszene wurde. Heute befindet sich in dem wuchtigen Betonbau die Boros Collection, eine private Sammlung zeitgenössischer Kunst.

In den frühen 1990er-Jahren befand sich in dem ehemaligen Weltkriegsbunker der legendäre Technoclub „Bunker“. Die Geschichte des Gebäudes ist dabei fast so außergewöhnlich wie seine heutige Nutzung. Der sogenannte Reichsbahnbunker Friedrichstraße wurde ab 1941 nach Plänen des Architekten Karl Bonatz unter dem Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt errichtet. 1942 wurde der Bunker als Luftschutzanlage für die Zivilbevölkerung fertiggestellt. Am Bau waren auch Zwangsarbeiter beteiligt.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Bunker von der Roten Armee besetzt und als Kriegsgefängnis genutzt. Danach wechselte seine Funktion erneut. Ab 1949 diente das Gebäude als Lager für Textilien. Ab 1957 wurden dort importierte Südfrüchte aus Kuba gelagert. Wegen dieser ungewöhnlichen Nutzung erhielt der Bunker im Berliner Volksmund den Spitznamen „Bananenbunker“. Nach der deutschen Wiedervereinigung änderte sich das Leben des Gebäudes erneut. 1992 eröffnete dort der Technoclub „Bunker“, der schnell zu einem wichtigen Zentrum der aufkommenden elektronischen Musikszene wurde. Die Veranstaltungen waren für ihre besonders harte und kompromisslose Atmosphäre sowie für Fetisch- und Fantasy-Partys bekannt. Die Betreiber machten den ungewöhnlichen Bunker damit zu einem der prägendsten Orte der frühen Berliner Techno-Szene.

Die Geschichte des „Bunker“ endete bereits wenige Jahre später. 1995 wurde die Silvesterparty „The Last Days of Saigon“ verboten, fand aber trotzdem statt. Daraufhin wurde der Bunker per Schließungsverfügung geschlossen. Im selben Jahr hatte dort außerdem die Sexmesse „Sexperimenta“ stattgefunden.
2003 kauften Karen und Christian Boros den Bunker, um ihre Sammlung zeitgenössischer Kunst dort öffentlich zugänglich zu machen. Das Gebäude wurde umfassend umgebaut und 2007 fertiggestellt. Seit 2008 werden dort wechselnde Präsentationen der Boros Collection gezeigt. Die Kunstsammlung umfasst Werke internationaler Künstler*innen aus der Zeit von 1990 bis heute. Die Ausstellungen nutzen dabei die ungewöhnliche Architektur des Bunkers bewusst mit. Auf rund 3.000 Quadratmetern werden Skulpturen, Installationen, Malerei, Zeichnungen, Videos und Fotografien gezeigt.
Die aktuelle vierte Präsentation der Boros Collection ist seit 2022 zu sehen und umfasst unter anderem Arbeiten von Jean-Marie Appriou, Cyprien Gaillard, Alicja Kwade, Anne Imhof, Klára Hosnedlová und Julius von Bismarck.