Natur mitten in der Stadt gibt es, keine Frage. Nur 20 km vom Stadtzentrum entfernt könnt ihr bereits zum größten See Berlins mit versteckten Waldrefugien gelangen oder zum einzigen vollständig erhaltenen Barockschloss der Stadt mit traumhaftem Schlosspark. Doch eine richtige Auszeit nennen wir es erst dann so, wenn man wirklich rausgefahren ist, das Big City Life hinter sich gelassen hat und in andere Welten eintauchen kann. Brandenburg bietet sich dafür perfekt an – es verbirgt einen 340 Jahre alten Kurort und noch vieles mehr. Heute möchten wir euch aus unserer Brandenburg-Reihe das Nonnenfließ im Naturraum der Märkischen Schweiz bzw. im Naturpark Barnim vorstellen.

Das Nonnenfließ ist ein kleiner, naturnaher Fluss (Fließgewässer) im Nordosten Brandenburgs. Er ist rund 11 km lang, sein Einzugsgebiet umfasst etwa 89 km². Das Gewässer verläuft von südlich Tuchen (Gemeinde Breydin) bis nach Spechthausen (Eberswalde) und mündet dort in die Schwärze. Über Schwärze, Finowkanal und Alte Oder gehört es zum Flusssystem der Oder. Der Begriff „Fließ“ ist typisch für kleinräumige Wasserläufe in Brandenburg.
Entstanden ist das Nonnenfließ am Ende der letzten Eiszeit vor etwa 15.000 Jahren. Es durchzieht ein tief eingeschnittenes Tal auf der Barnimplatte, stellenweise fast wie ein kleines Mittelgebirge – mit steilen Hängen, Rinnen, Mäandern und Quellmooren. Die Landschaft ist besonders abwechslungsreich: Alte Buchen- und Traubeneichenwälder wechseln sich mit Feuchtbiotopen und Moorbereichen sowie klaren Süßwasserbiotopen ab. Diese Vielfalt sorgt für eine außergewöhnlich hohe Struktur- und Lebensraumvielfalt.

Das Nonnenfließ und sein Tal zählen zu den ökologisch wertvollsten Fließgewässern Brandenburgs. In seiner vielfältigen Flora und Fauna finden sich Fische und Wasserlebewesen wie die Groppe (Mühlkoppe), das Bachneunauge und der Steinbeißer – allesamt seltene Arten, die auf sauberes, sauerstoffreiches Wasser angewiesen sind. Darüber hinaus leben hier Vögel und Säugetiere wie Wasseramsel und Gebirgsstelze; auch verschiedene Fledermausarten kommen im Gebiet vor. Zu den besonderen Pflanzen im Flusstal gehören unter anderem das Wald-Bingelkraut und die Ährige Teufelskralle – ebenfalls seltene Arten.
Das Tal von Nonnenfließ und Schwärze steht bereits seit 1977 unter Schutz; seit 1996 ist es offiziell als Naturschutzgebiet „Nonnenfließ–Schwärzetal“ ausgewiesen. Es ist Teil des Landschaftsschutzgebiets Barnimer Heide und eingebettet in den Naturpark Barnim. Ziel des Schutzes ist es, den weitgehend natürlichen Zustand des Gewässers zu bewahren und seltenen Arten ein dauerhaftes Refugium zu bieten.

Der Name „Nonnenfließ“ ist von einer alten regionalen Sage umrankt. Einer Legende zufolge stand einst ein Nonnenkloster am Fluss, das bei einer Flut weggespült wurde. Nur eine Nonne soll überlebt haben; sie errichtete an jener Stelle ein Kreuz, das heute als Liesenkreuz bzw. Eliesenkreuz bekannt ist.
Das Nonnenfließtal ist heute ein beliebtes Wandergebiet mit idyllischen Rundwegen und naturnahen Pfaden. Besonders empfehlenswert sind etwa die 7–10 km langen Strecken entlang des Flusses sowie ein rund 15 km langer Rundwanderweg durch das Schwärzetal (Startpunkt am Zoo Eberswalde). Die Wege gelten als naturbelassen und weisen einen leichten bis moderaten Schwierigkeitsgrad auf – ideal für geübte Spaziergänger und Naturfreunde.