Beeindruckende Gebäude und außergewöhnliche Architektur sind in Berlin keine Seltenheit. Ein Berliner Bunker, der vor rund 30 Jahren wegen seiner Fetisch- und Fantasy-Partys als „härtester Club der Welt“ bekannt war, ist nur eines von vielen ungewöhnlichen Highlights, die ihr in der Stadt entdecken könnt. Und wenn ihr noch mehr spektakuläre Bauten kennenlernen wollt, seid ihr bei uns genau richtig. Heute geht es um ein besonders auffälliges Exemplar: Eine riesige pinkfarbene Röhre windet sich um und durch einen kantigen, blau verkleideten Bau. Dahinter steckt der Umlauftank 2, kurz UT2, eine Forschungseinrichtung der Technischen Universität Berlin auf der Schleuseninsel am Rand des Tiergartens.

Die Adresse ist Müller-Breslau-Straße 12, 10623 Berlin. Das Gebäude gehört zur ehemaligen Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau und wird bis heute für wissenschaftliche Untersuchungen genutzt. Von außen sieht der Bau allerdings überhaupt nicht nach einer typischen Forschungseinrichtung aus. Eine riesige pinke Röhre windet sich um beziehungsweise durch einen kantigen, blau verkleideten Bau. Deshalb ist der Umlauftank auch als „Rosa Röhre“ bekannt und gilt als Ikone der Berliner Pop-Art-Architektur.
Genau das macht die Geschichte so interessant: Die spektakuläre Röhre ist kein Kunstwerk und keine reine Fassadengestaltung, sondern Teil der eigentlichen Forschungsmaschine. Das pinkfarbene Rohr bildet einen geschlossenen Wasserkreislauf. Eine Turbine setzt das Wasser darin in Bewegung und kann Strömungsgeschwindigkeiten von bis zu 10 Metern pro Sekunde erzeugen. Im Inneren der blauen Laborhalle befindet sich die Messstrecke, an der die Strömung untersucht wird.
Der Bau macht seine technische Funktion also regelrecht sichtbar. Das war auch Teil des architektonischen Konzepts: Die Maschine sollte nicht hinter einer gewöhnlichen Gebäudehülle verschwinden, sondern selbst zum Gebäude werden. Das Berliner Zentrum Industriekultur beschreibt den Umlauftank entsprechend als Schnittstelle von Architektur, Industriebau, Maschine und wissenschaftlichem Gerät.

Die TU Berlin nutzt die Anlage für Strömungs- und Kavitationsversuche. Dabei können Schiffsmodelle einer kontrollierten Wasserströmung ausgesetzt werden, um beispielsweise nautische und schiffstechnische Fragestellungen zu untersuchen. Laut Berliner Zentrum Industriekultur können Modelle von bis zu neun Metern Länge getestet werden.
Dabei handelt es sich also nicht um ein Museum, das nur noch an seine wissenschaftliche Vergangenheit erinnert. Die Anlage wird weiterhin für Forschung genutzt. Auch internationale Fachleute kommen nach Berlin, um den Umlauftank für Untersuchungen zu verwenden. Die Farbe ist nicht zufällig gewählt. Der Bau wurde vom Architekten Ludwig Leo entworfen und 1974 fertiggestellt beziehungsweise in Betrieb genommen. Gemeinsam mit dem Wasserbauingenieur Christian Boes entwickelte Leo eine ungewöhnliche Architektur, bei der die technische Funktion des Gebäudes unmittelbar sichtbar wird.
Die pinke Röhre und der blaue Baukörper bilden dabei einen extrem auffälligen Kontrast. Die Farben helfen sogar dabei, die unterschiedlichen Funktionen des Gebäudes abzulesen: Die rosa Röhre ist der Wasserkreislauf, während sich im blauen Bau die Labor- und Messbereiche befinden.