Das Ullsteinhaus am Mariendorfer Damm ist Berlins vergessener Gigant. Zwischen 1925 und 1927 als europäisches Druckzentrum erbaut, vereint der Komplex heute Tech-Start-ups, Kreativagenturen und andere Einrichtungen unter einem Dach.
Südlich vom Tempelhofer Feld findet ihr dieses unglaublich schöne Haus. Schaut doch auf dem Heimweg mal bei Ballet of Lights vorbei, das ist gleich ums Eck!
Das Ullsteinhaus in Berlin-Tempelhof: Ein Rekordhalter aus rotem Klinker

Der markante Backstein–Expressionismus zieht sofort die Blicke auf sich. Die strengen, vertikalen Linien und die wuchtigen Pfeiler lassen das Bauwerk wie die Kulisse aus einem düsteren Film-Noir wirken.
Über 30 Jahre lang war der Turm mit 77 Metern das höchste Hochhaus in ganz Deutschland. Und wo heute schlaue Köpfe an der Technologie der Zukunft tüfteln, ratterten früher gigantische Druckmaschinen, die Tausende von Zeitungen ausspuckten.
Logistik-Wunder am Wasser

Dass dieser Koloss ausgerechnet am Ufer des Teltowkanals steht, ist kein Zufall. Der Ullstein-Verlag war in den 1920er Jahren das größte Medienhaus Europas. Blätter wie die Berliner Morgenpost erreichten Auflagen von bis zu 600.000 Exemplaren am Tag.
Das erforderte riesige Mengen an Papier. Die wurde per Schiff über den Kanal angeliefert, verarbeitet und von einer Horde LKW ausgeliefert. Damit das Gebäude das enorme Gewicht der Rotationsdruckmaschinen überhaupt tragen konnte, entwarf der Architekt Eugen Schmohl den damals größten Stahlskelettbau Deutschlands.
Die Eule als stolzes Markenzeichen

Über dem ehemaligen Arbeitereingang sitzt das historische Wahrzeichen des Ullstein-Verlags: Eine Eule. Bildhauer Fritz Klimsch schuf sie 1926 aus Bronze. Auch die Turmuhr mit ihren riesigen, goldfarbenen Zifferblättern (7,20 Meter Durchmesser!) ist einen extra Blick nach oben wert!
Ein dunkles Kapitel und der Neuanfang
Die jüdische Familie Ullstein hatte den Verlag zu einem Imperium aufgebaut. Doch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die Familie im Zuge der sog. „Arisierung“ 1934 gezwungen, ihr Lebenswerk weit unter Wert zu verkaufen.
Das Gebäude fiel in die Hände der NS-Propaganda. Erst 1952, nach dem 2. Weltkrieg, bekam die Familie Ullstein ihr Eigentum im Rahmen der Restitution zurück, bevor der Verlag 1959 an Axel Springer verkauft wurde.
Heute hat sich in den geschichtsträchtigen Mauern unter anderem „The Drivery“ eingenistet – ein Campus, in dem EntwicklerInnen an neuen Technologien arbeiten. So schließt sich der Kreis: Wo früher die Nachrichten von gestern gedruckt wurden, werden Ideen für morgen entwickelt.
📍 Ullsteinhaus, Mariendorfer Damm 1-3, 12099 Berlin (Tempelhof)
📆 Von außen jederzeit zugänglich
⏳ Ca. 30 Minuten
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