Großstadt hin oder her – zwischen allem, was in Berlin los ist, wird es selbst dort manchmal zu eng. Ein kleiner Ausflug in die Umgebung tut dann immer gut: Weite, Architektur, Landschaft und jede Menge Geschichte. Die Schlösser rund um Berlin erzählen dabei alle ihre ganz eigene, besondere Geschichte. Von der eindrucksvollen Sommerresidenz des preußischen Kronprinzen bis hin zu einer märchenhaften Schlossanlage mit einem der bedeutendsten Landschaftsparks Brandenburgs. Sie sind prachtvoll, elegant und lassen euch in vergangene Epochen zurückreisen. Eines dürfen wir bei unserer Auflistung dabei keinesfalls vergessen – denn es ist neben dem Schloss Sanssouci wohl das bekannteste Brandenburgs: das Schloss Cecilienhof im Neuen Garten in Potsdam, direkt am Jungfernsee. Es gehört zum UNESCO-Welterbe „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“.

Das Schloss Cecilienhof wurde zwischen 1913 und 1917 erbaut und ist das letzte Schloss, das von den Hohenzollern errichtet wurde. Bauherr war Kronprinz Wilhelm von Preußen, der älteste Sohn Kaiser Wilhelms II., gemeinsam mit seiner Frau Kronprinzessin Cecilie von Mecklenburg-Schwerin, nach der das Schloss benannt ist. Gedacht war der Cecilienhof als privater Wohnsitz der Kronprinzenfamilie – bewusst abseits der großen, repräsentativen Residenzen. Entsprechend wirkt das Schloss vergleichsweise intim und wohnlich. Nach dem Ende der Monarchie im Jahr 1918 durfte die Familie zunächst weiterhin dort leben, wurde jedoch 1945 endgültig enteignet.
Architektonisch ist das Schloss im englischen Landhausstil (Tudorstil) gehalten und wurde von Paul Schultze-Naumburg entworfen. Die Backsteinfassade mit sichtbarem Fachwerk sowie die zahlreichen Schornsteine – über 50 an der Zahl – verleihen dem Bau sein fast märchenhaftes Erscheinungsbild. Insgesamt verfügt das Schloss über 176 Zimmer. Fünf prächtige Innenhöfe prägen die Anlage, darunter der berühmte Ehrenhof mit seinem sternförmigen Blumenbeet, das ursprünglich mit roten Geranien bepflanzt war. Der bewusst zurückhaltende Stil sollte Bescheidenheit und Bürgernähe ausdrücken – ein deutlicher Kontrast zur sonst so monumentalen preußischen Prachtarchitektur.

Der historische Höhepunkt des Schlosses Cecilienhof ist die Potsdamer Konferenz, die vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 hier stattfand. In diesen Räumen trafen sich Harry S. Truman (USA), Winston Churchill – später Clement Attlee – (Großbritannien) und Josef Stalin (Sowjetunion), um über die politische Neuordnung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg zu beraten. Zu den zentralen Beschlüssen zählten die Entmilitarisierung, Entnazifizierung und Demokratisierung Deutschlands, die Festlegung der deutschen Ostgrenze entlang der Oder-Neiße-Linie sowie die Grundlagen für die spätere Teilung Deutschlands. Damit wurde Schloss Cecilienhof zu einem der bedeutendsten Schauplätze der Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts.
Heute beherbergt das Schloss ein Museum mit original erhaltenen Konferenzräumen sowie eine Gedenkstätte zur Potsdamer Konferenz. Teile der Anlage werden zudem als Hotel genutzt, und das gesamte Ensemble gehört zur Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.