Berlin ist für seine Superlativen bekannt. Die besten Clubs, die dreckigsten Straßen, die meisten Bewohner usw. Dabei gibt es in einem Kiez, einen Ort, der einen sympathischen Widerspruch darstellt. Wer durch die Fasanenstraße im eleganten Berlin-Charlottenburg spaziert, übersieht das Rum Trader leicht. Es gibt keine blinkenden Neonschilder, keine laute Musik, die auf die Straße dringt. Stattdessen findet man eine unscheinbare Tür mit einer Klingel. Wer hier Einlass begehrt, tritt nicht einfach in eine Bar – er tritt in eine andere Zeit.
Eine Zeitreise in die 1920er Jahre

Das Rum Trader gilt als eine der ältesten und kleinsten Cocktailbars der Stadt. Seit Jahrzehnten wird hier eine Barkultur gepflegt, die andernorts längst dem Massentourismus gewichen ist. Der Raum ist winzig: Kaum mehr als 15 bis 20 Gäste finden gleichzeitig Platz in dem schummrigen, holzgetäfelten Interieur. Die Atmosphäre ist dicht, verraucht und von einer exklusiven Intimität geprägt, die sofort jegliche Hektik der Großstadt vergessen lässt.
Das Besondere am Rum Trader ist das strikte Festhalten an Traditionen. Es gibt keine gedruckte Barkarte. Der legendäre Ruf der Bar basiert auf der individuellen Beratung. Der Bartender – oft in tadellosem Gewand – erkundigt sich nach den Vorlieben des Gastes: süß, sauer, kräftig oder erfrischend? Auf dieser Basis entstehen Meisterwerke der Mixologie, wobei der Fokus, wie der Name schon sagt, auf exquisiten Rumsorten liegt. Doch auch Gin-Liebhaber und Freunde klassischer Cocktails kommen auf ihre Kosten.
Ein Ort für Kenner

In der Nähe des Kurfürstendamms gelegen, bietet das Rum Trader den perfekten Kontrast zum kommerziellen Trubel. Hier wird das Gespräch noch geschätzt, und die Qualität des Getränks steht über allem. Wer das Glück hat, einen der wenigen Plätze zu ergattern, erlebt Berlin von seiner nostalgischsten und authentischsten Seite. Es ist ein Ort für Genießer, die das Handwerk schätzen und bereit sind, sich auf ein entschleunigtes, hochprozentiges Erlebnis einzulassen.