Die Gastroszene Berlins könnte bunter und spannender kaum sein. Vom erst kürzlich aufgestellten Weltrekord beim veganen Mitbringbrunch bis hin zu Deutschlands erstem rein pflanzlichen REWE-Markt zeigt die Hauptstadt immer wieder, wie vielfältig die Zukunft der Ernährung aussehen kann. Doch REWE hat in Berlin noch ein weiteres außergewöhnliches Konzept zu bieten: Der REWE Green Farming Markt befindet sich in der Malteserstraße in Lankwitz, im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Das Besondere daran ist die direkte Verbindung von Verkauf und Lebensmittelproduktion – denn während unten eingekauft wird, wächst direkt auf dem Dach ein Teil der Lebensmittel, die später im Markt verkauft werden.

Während unten in der rund 2.150 Quadratmeter großen Markthalle Lebensmittel eingekauft werden, wachsen nur eine Etage darüber bereits neue Produkte. Auf dem Gebäude befindet sich eine gläserne Dachfarm mit einer Fläche von rund 2.760 Quadratmetern. Dort können perspektivisch bis zu 900.000 Salatmischungen pro Jahr produziert werden. Seit August 2026 ist die Anlage tatsächlich in Betrieb. Am 7. August wurde der erste „Lankwitzer Pflücksalat“ auf dem Dach geerntet. Anders als beim ersten Green-Farming-Markt von REWE in Wiesbaden werden auf dem Berliner Dach weder Fische noch Basilikum gezüchtet beziehungsweise angebaut. Stattdessen konzentriert sich die Berliner Anlage auf Pflücksalate. Der „Lankwitzer Pflücksalat“ setzt sich aus vier verschiedenen Sorten zusammen: Kopfsalat, Römersalat, Lollo Rosso und dunkelgrünem Easy Leaf.
Besonders bemerkenswert ist, wie schnell die Pflanzen wachsen. Die Salate befinden sich auf speziellen Trays, die während des Wachstums automatisch durch das Gewächshaus bewegt werden. Mehrmals täglich werden die Pflanzen mit einer genau abgestimmten Nährlösung versorgt. Bereits nach rund 23 Tagen sind sie erntereif. Anschließend werden die Salate per Förderband zur Verarbeitung transportiert. Sie werden direkt vor Ort verarbeitet und verpackt, bevor sie entweder im darunterliegenden Supermarkt verkauft oder an weitere REWE-Märkte ausgeliefert werden. Vom Setzling bis zur erntereifen Pflanze vergehen damit gerade einmal etwas mehr als drei Wochen.

Möglich wird die intensive Produktion durch ein hydroponisches Anbausystem. Die Salate wachsen nicht wie auf einem gewöhnlichen Feld in Erde, sondern werden kontrolliert mit einer Nährlösung versorgt. Damit lässt sich der Anbau weitgehend unabhängig von den Bedingungen auf klassischen landwirtschaftlichen Flächen steuern. Auch das benötigte Wasser wird teilweise direkt am Gebäude gewonnen. Regenwasser vom Dach wird gesammelt und in einer Zisterne gespeichert, bevor es für die Pflanzen genutzt wird. Das weitgehend automatisierte System ermöglicht eine kontinuierliche Produktion. Gleichzeitig wird die Abwärme des darunterliegenden Supermarkts genutzt. Wärmepumpen und die Wiederverwendung der entstehenden Wärme tragen dazu bei, die benötigten Bedingungen im Markt und im Gewächshaus zu schaffen.
Der auf dem Dach produzierte Salat ist nicht ausschließlich für den Markt in Lankwitz bestimmt. Die Berliner Dachfarm soll mit ihrer Ernte rund 500 REWE-Märkte in der Region beziehungsweise in Ostdeutschland beliefern. Das bedeutet allerdings nicht, dass inzwischen 500 REWE-Supermärkte über eine eigene Dachfarm verfügen. Vielmehr handelt es sich um eine zentrale Dachfarm in Berlin, deren Erzeugnisse anschließend über die bestehenden Logistikstrukturen an Hunderte weitere Märkte verteilt werden.
Nicht nur die Landwirtschaft auf dem Dach unterscheidet den Markt von einem gewöhnlichen Supermarkt. Das Gebäude wurde als große Holz-Glas-Markthalle konzipiert und stammt vom Londoner Architekturbüro ACME. Getragen wird die Konstruktion von insgesamt 72 Holzstützen. Besonders auffällig sind die aus übereinandergeschichteten Holzelementen bestehenden Kapitelle, die unter der Decke eine ungewöhnliche Gewölbestruktur entstehen lassen. Dadurch erinnert der Innenraum eher an eine moderne Markthalle als an einen klassischen Supermarkt.

Neben der Dachfarm und der Holzkonstruktion verfügt der Markt über weitere Maßnahmen zur Reduzierung seines Ressourcen- und Energieverbrauchs. Auf dem Gebäude befinden sich rund 200 Solarmodule. Hinzu kommen die Versorgung mit Grünstrom, Wärmepumpen, die Nutzung von Abwärme und Regenwasser sowie versickerungsfähige Pflasterflächen auf den Parkplätzen. Durch die Kombination dieser Maßnahmen soll der Green-Farming-Markt laut REWE
Berlin ist allerdings nicht der erste Standort, an dem REWE Landwirtschaft und Supermarkt miteinander kombiniert. Bereits 2021 eröffnete in Wiesbaden-Erbenheim der erste Green-Farming-Markt des Unternehmens. Dort wurde ein anderes Konzept umgesetzt. Auf dem Dach wurden Basilikum und Buntbarsche in einem Aquaponik-System produziert. Die Anlage war auf rund 800.000 Basilikumpflanzen und 20.000 Fische pro Jahr ausgelegt.
Der Berliner Markt stellt eine Weiterentwicklung dieses Konzepts dar. Hier konzentriert sich die Dachfarm vollständig auf Salat und setzt auf Hydroponik. Gleichzeitig wurde das Gebäudekonzept unter anderem beim Holzbau, bei der Wärmeversorgung und bei der digitalen Planung weiterentwickelt. Der Standort in Lankwitz ist laut REWE außerdem der erste Markt des Unternehmens, der vollständig mithilfe von Building Information Modeling, kurz BIM, geplant wurde. Dabei wird ein detailliertes digitales Modell des Gebäudes erstellt, mit dessen Hilfe sich Konstruktion und technische Systeme bereits vor und während des Baus präzise planen lassen.