Wenn der Großstadtlärm zu viel wird, sehnen wir uns manchmal nach etwas Ruhe im Grünen und dem Gefühl, weit weg von Berlin zu sein. Ob zu einer der beliebtesten Bergdestinationen Deutschlands oder auf einen idyllischen Wanderweg: Die Möglichkeiten für eine kleine Auszeit rund um Berlin sind nahezu unerschöpflich. Wer dafür gar nicht weit aus der City herausmöchte, findet ebenfalls besondere Orte, die euch für einen Moment vergessen lassen, dass ihr mitten in Berlin seid. Dazu gehört auch das Reethaus, ein außergewöhnlicher Kultur- und Veranstaltungsort direkt an der Spree in Berlin-Lichtenberg.

Ihr findet es in der Köpenicker Chaussee 3a und damit auf dem Flussbad Campus, einem experimentellen Kultur- und Hospitality-Projekt, das Kunst, Architektur, Musik, Wellness, Gastronomie und gemeinschaftliche Räume miteinander verbindet. Schon von außen fällt das Reethaus auf. Das Gebäude ist mit Schilfrohr verkleidet und erinnert dadurch eher an einen modernen Tempel als an eine klassische Berliner Veranstaltungslocation. Die Architektur wurde bewusst so gestaltet, dass sie sich in die natürliche Umgebung am Wasser einfügt. Auch der Name des Hauses geht auf die charakteristische Schilfrohr-Verkleidung zurück.
Das zentrale Format des Reethauses heißt Open Haus. Jeden letzten Sonntag im Monat öffnet der besondere Ort seine Türen für eine sogenannte Listening Experience. Dabei geht es nicht um ein klassisches Konzert, bei dem ihr vor einer Bühne sitzt und Künstlern beim Spielen zuschaut. Stattdessen steht das bewusste und räumliche Zuhören im Mittelpunkt. Das Programm wechselt von Monat zu Monat und reicht von Ambient-Musik und experimenteller elektronischer Musik über Naturaufnahmen und Stimmen bis hin zu speziell für den Raum entwickelten Klanginstallationen. Dadurch erlebt ihr bei jedem Open Haus eine andere akustische Welt.
Ein wesentlicher Teil des Erlebnisses ist der Raum selbst. Im Reethaus befindet sich ein speziell integriertes 360-Grad-Soundsystem, mit dem Klänge aus unterschiedlichen Richtungen wahrgenommen und durch den Raum bewegt werden können. Bei früheren Listening Experiences kam dafür unter anderem das 4DSOUND-System zum Einsatz, mit dem beispielsweise Naturphänomene wie Wind, Regen oder fließendes Wasser räumlich als Klang dargestellt werden können. Genau das macht den Unterschied zu einem gewöhnlichen Konzert aus: Die Musik kommt nicht einfach von vorne, sondern kann sich um euch herum bewegen. Ihr sollt euch möglichst vollständig auf das Hören konzentrieren und den Klang körperlich und räumlich wahrnehmen.

Auch wenn das Reethaus teilweise mit Sound Meditation in Verbindung gebracht wird, besteht das Programm nicht ausschließlich aus Meditation. Vielmehr verbindet der Ort Deep Listening, Sound Art, Ambient Music, experimentelle Klangkunst und Meditation miteinander. Bei einzelnen Veranstaltungen werden zusätzlich Atemübungen, Vocal Toning oder geführte Meditationen angeboten. Andere Formate konzentrieren sich dagegen stärker auf experimentelle Klangkunst oder Naturaufnahmen. So wurden beispielsweise bereits die Geräusche von Vögeln und Wäldern in die Listening Experiences integriert.
Auch die Architektur trägt wesentlich zur Atmosphäre bei. Das Reethaus wurde von José Cuevas entworfen und liegt direkt am Wasser. Durch die ungewöhnliche Form und die Schilfrohr-Verkleidung erinnert das Gebäude an einen modernen Tempel mitten in der Natur. Die fast sakrale Atmosphäre ist dabei bewusst Teil des Konzepts. Es geht allerdings nicht um einen religiösen Ort, sondern um einen Raum, in dem ihr zur Ruhe kommen, zuhören und für einen Moment dem hektischen Stadtleben entkommen könnt.