Während in der Hauptstadt Moderne, Digitalisierung und die Trends von morgen pulsieren, ist in der Berliner Umgebung die jahrhundertelange Geschichte des Landes noch deutlich spürbar. In den kleineren Städten rund um Berlin ist die Atmosphäre vergangener Zeiten vielerorts nahezu vollständig erhalten geblieben. So haben wir die Möglichkeit, in unserer Freizeit der Großstadthektik zu entfliehen und ein Stück weit in frühere Epochen einzutauchen. Betrachtet man preußische Schauplätze, gibt es dabei eine beeindruckende Auswahl: von der Sommerresidenz des preußischen Kronprinzen bis hin zum letzten preußischen Schloss Deutschlands — jede dieser Anlagen ist ein architektonisches Juwel für sich. Doch wenn wir über die Städte selbst sprechen, steht Neuruppin ganz vorne in der preußischen Tradition. Die Stadt im Ruppiner Land in Brandenburg trägt den Klassizismus bis heute sichtbar in ihrem gesamten Stadtbild.

Neuruppin liegt direkt am Ruppiner See, einem der größten Seen Brandenburgs, der die Stadtlandschaft maßgeblich prägt. Der See ist nicht nur landschaftlich reizvoll, sondern auch historisch und wirtschaftlich bedeutend — bereits im Mittelalter war er ein wichtiges Zentrum für Fischerei und Handel. Besonders beliebt ist die Uferpromenade, das sogenannte Bollwerk, die zum Spazieren, Radfahren oder Verweilen einlädt. Von hier aus bietet sich häufig ein Blick auf markante Bauwerke der Stadt, darunter die Klosterkirche St. Trinitatis mit ihren charakteristischen hohen Türmen.
Zu den Highlights, die den klassizistischen Charakter Neuruppins besonders deutlich machen, gehört vor allem die Altstadt, die nach dem großen Brand von 1787 weitgehend im klassizistischen Stil wiederaufgebaut wurde. Das Denkmal für Karl Friedrich Schinkel erinnert an den berühmten Architekten, der den preußischen Klassizismus entscheidend prägte. Ebenso prägend ist das Denkmal Friedrich Wilhelms II. sowie das Predigerwitwenhaus — eines der wenigen Gebäude, das den Stadtbrand von 1787 überstanden hat.

Wir haben euch mit Schloss Ribbeck im Havelland bereits ein Wahrzeichen gezeigt, das durch den deutschen Dichter Theodor Fontane literarisch geprägt wurde — doch jetzt wird es noch persönlicher: Neuruppin ist nämlich sein Geburtsort und trägt deshalb auch den Namen „Fontanestadt“.
Am 30. Dezember 1819 wurde er hier als Heinrich Theodor Fontane in der Schinkelstraße 1 geboren. Sein Geburtshaus ist ein spätklassizistisches Bürgerhaus aus dem frühen 19. Jahrhundert und liegt in der Altstadt von Neuruppin, unweit des Ruppiner Sees. Heute befindet sich dort eine Gedenkstätte und ein Museum, das Fontanes Leben und Werk gewidmet ist.