Einen Kaffee in Berlin zu genießen, bedeutet nicht automatisch, in einem gewöhnlichen Café zu sitzen. Ihr könnt es euch zum Beispiel in einer ehemaligen Shell-Tankstelle aus den 1950er-Jahren gemütlich machen. Und was gibt es noch, fragt ihr euch? Selbst in Berlins erstem Krematorium wird heute unter anderem Kaffee serviert und in besonderer Atmosphäre Platz genommen. Das MARS befindet sich in der Gerichtstraße 35 in Berlin-Wedding und ist die hauseigene Gastronomie des silent green Kulturquartiers.

Die Geschichte des Ortes reicht weit zurück. Bereits 1828 wurde auf dem Gelände ein kommunaler Friedhof angelegt, der bis 1879 genutzt wurde. Zwischen 1909 und 1910 entstand dort nach Plänen des Architekten William Müller eine Urnenhalle, die von Anfang an so konzipiert war, dass sie später zu einem Krematorium erweitert werden konnte. Nachdem 1911 in Preußen die gesetzlichen Voraussetzungen für Feuerbestattungen geschaffen worden waren, wurden zwei Verbrennungsöfen ergänzt. 1912 nahm schließlich das erste Krematorium Berlins seinen Betrieb auf.
Das architektonische Herzstück des Komplexes ist die ehemalige 17 Meter hohe Trauerhalle. Sie besitzt einen achteckigen Grundriss und ein markantes pyramidenförmiges Mansardendach. Rund um den ebenfalls achteckigen Innenhof wurden Kolumbarien angelegt, in denen Urnen aufbewahrt wurden. Auch innerhalb der ehemaligen Trauerhalle befinden sich auf mehreren Ebenen historische Kolumbarien. Obwohl das Gebäude ursprünglich für Bestattungen errichtet wurde, wurde seine Architektur weitgehend säkular gestaltet. Bis heute lassen sich zahlreiche historische Details entdecken. Dazu gehören steinerne Greifen, Flammenschalen an den schmiedeeisernen Toren und eine Schlange im Terrazzo-Boden, die symbolisch für Transformation steht.
Nach mehreren Umbauten und Erweiterungen wurde der Betrieb des Krematoriums Ende 2002 eingestellt. Anschließend stand der Komplex zunächst leer. Später erhielt das Konzept für das heutige silent green Kulturquartier den Zuschlag für das Gelände. Ab 2013 wurde der denkmalgeschützte Gebäudekomplex saniert und behutsam für seine neue kulturelle Nutzung umgebaut.

Heute erstreckt sich das silent green über rund 6.000 Quadratmeter und ist ein Kulturquartier für Musik, Film, Kunst und kreative Unternehmen. Die ehemalige Trauerhalle wird heute als Kuppelhalle unter anderem für Konzerte, Lesungen und Filmveranstaltungen genutzt. Zusätzlich entstand eine unterirdische Betonhalle mit rund 1.600 Quadratmetern Fläche, die für Ausstellungen, Veranstaltungen und größere Produktionen genutzt wird.
Mitten in diesem historischen Komplex befindet sich heute das MARS, das als gastronomisches Herzstück des Kulturquartiers dient. Unter der Woche kann man hier Mittag essen, später Kaffee trinken und am Abend kleinere Gerichte und Drinks bestellen. Am Wochenende wird außerdem Brunch angeboten. Ergänzt wird das reguläre Angebot durch besondere Dinnerveranstaltungen und wechselnde kulinarische Formate.
Die Küche setzt vor allem auf frische, saisonale und regionale Zutaten. Nachhaltigkeit spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Verarbeitet werden unter anderem Bio-Produkte, heimische Süßwasserfische und regionales Wild. Besonders außergewöhnlich ist der eigene Dachgarten, in dem Kräuter und Gemüse angebaut werden, die anschließend in der Küche des MARS Verwendung finden.