
Lungenheilstätte Grabowsee
1896 wurde die Heilstätte vom Deutschen Roten Kreuz / Volksheilstättenverein als Versuchseinrichtung gegründet, um zu prüfen, ob Tuberkulose auch im norddeutschen Tiefland behandelt werden kann. Bis dahin hielt man Heilungen von Lungenerkrankungen vor allem durch Gebirgsluft oder warmes Klima für wirksam. Zu Beginn verfügte die Lungenheilstätte über rund 200 Betten und war für die damalige Zeit modern angelegt: Pavillonbauten, viel Tageslicht, Ruhe, frische Luft, Therapiemöglichkeiten und weitere Annehmlichkeiten prägten das Gelände. Die Anlage erstreckte sich über 30 bis 34 Hektar und umfasste zahlreiche Gebäude: Patienten- und Bettenhäuser, OP-Säle und Behandlungszimmer, Verwaltungsgebäude, Aufnahmegebäude, Direktorenvilla, Ärztewohnungen, Pförtnerhaus, Kapelle (teilweise zerstört), Heiz- und Wasserturm, Gärtnerhaus, Seewasser-Pumpenhaus und weitere. Architektonisch verbinden sich Pavillonstil mit späteren Erweiterungen im Stil der Neuen Sachlichkeit und des Expressionismus.
1920 wurde die Lungenheilstätte Grabowsee an die Landesversicherungsanstalt Brandenburg übergeben. Unter der Leitung von Architekt Arnold Beschoren erfolgten Umbauten und Erweiterungen, wodurch die Kapazität auf etwa 420 Betten wuchs. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Sowjetische Armee die Anlage, die fortan als Militärklinik bzw. Militärhospital genutzt wurde. Mit dem Abzug der Truppen in den frühen 1990er-Jahren wurde das Gelände aufgegeben und verfällt seitdem.

Nutzung & Popkultur
1994 wurde die Lungenheilstätte Grabowsee unter Denkmalschutz gestellt. Seitdem sind etwa 15 der rund 30 verbliebenen Gebäude offiziell als Kulturdenkmal anerkannt. Der Ort ist bis heute ein beliebtes Ziel für Lost-Place-Fotograf:innen und Urban Explor:innen. Dabei ist es nicht der einzige Lost Place nahe Berlin, der als Kulisse für die Kinoleinwand diente: So wurden im Chemiewerk Rüdersdorf Szenen für „The Hunger Games – Teil 2“ gedreht, während auch die Lungenheilstätte Grabowsee ihren Weg ins Kino fand. Der verfallene Komplex diente – gemeinsam mit den Beelitz-Heilstätten, die als Drehort für „Der Pianist“ bekannt wurden – als Kulisse für den deutschen Horrorfilm „Heilstätten“ (2018). Der Verein Kids Globe e.V. setzt sich zudem für eine Wiederbelebung und neue Nutzungsmöglichkeiten ein, etwa für akademische Zwecke oder zur Förderung junger Menschen.
Rechtlich ist das Betreten des Geländes jedoch nicht erlaubt: Warnschilder, Zäune und ein Pächter, Bernhard Hanke, der über einen Kontakt erreichbar sein soll, machen dies deutlich. Aufgrund des fortschreitenden Verfalls, loser Bauteile, fehlender Böden, Unebenheiten und weiterer Gefahren besteht auf dem Gelände ein erhebliches Unfallrisiko. Wiederverwendungs- und Umbaupläne wurden bislang nicht umgesetzt, da sie mit zahlreichen Schwierigkeiten verbunden sind – darunter Investorenfragen, Finanzierung und die strengen Auflagen des Denkmalschutzes.