Berlin hat im Frühling mehr je zu bieten: Endlich kehren Musik im Freien, lange Abende und wärmere Tage zurück in die Hauptstadt. Aber das bessere Wetter lädt auch zu einem Ausflug ein. Und wer in der direkten Umgebung schon alles gesehen hat, der kann die Nähe zu Polen ausnutzen: Die Festungsstadt Küstrin ist als „Pompeji an der Oder“ bekannt. Ist das nicht schon Grund genug für einen Besuch?
Von Festungsstadt zum Trümmerfeld

Küstrin liegt 80 Kilometer östlich von Berlin auf der polnischen Seite der Oder als Kostrzyn nad Odrą. Einst war die Altstadt eine stolze preußische Festungs- und Residenzstadt, die durch ihre strategische Lage an der Mündung der Warthe in die Oder eine wichtige militärische Bedeutung besaß. Das Schloss, das Rathaus, die Pfarrkirche und der Marktplatz prägten das Stadtbild.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde sie jedoch fast vollständig dem Erdboden gleichgemacht. Mehr als 90 Prozent der Stadt fiel der Zerstörung zum Opfer. Heute macht sie genau das zu einem der eindrucksvollsten und melancholischsten Mahnmale der deutsch-polnischen Geschichte.
Statt die Stadt wieder zu rekonstruieren, ist Küstrin seit dem Zweiten Weltkrieg ein einziges Trümmerfeld. Nur einzelne Gebäude wurden in den letzten Jahren wieder aufgebaut. Ihr spaziert über historische Pflastersteine und erkennt die Fundamente der ehemaligen Gebäude. Schautafeln mit alten Fotografien zeigen euch seit 2009 die einstige Dichte und Eleganz des Ortes auf Polnisch und Deutsch. Diese Stadt ist fast schon ein riesiger Lost Place.
Halb Polen, halb Deutschland

Aber natürlich könnt ihr dort nicht nur Trümmer und Ruinen erleben. Die Festungsanlagen sind teilweise restauriert und beherbergen ein sehenswertes Museum, das über die Geschichte der Stadt aufklärt. Auch das Berliner Tor wurde wiederhergestellt. Dort befindet sich heute eine Touristeninformation.
Nach 1945 wurde übrigens die Oder zur Grenze. Sie teilt die Stadt: Etwa 65 % des alten Küstriner Stadtgebietes wurden unter polnische Verwaltung gestellt, die eher ländlich geprägte Vorstadt blieb bei Deutschland. Die Grenzbrücke zwischen Deutschland und Polen verbindet das heutige Leben im modernen Kostrzyn mit dieser geisterhaften Ruinenstadt. Sie bleibt ein stummes Zeugnis für die Zerstörungskraft des Krieges.