Viele Gebäude in Berlin sind mit der Zeit verloren gegangen. Dazu gehört das alte Hotel Adlon und auch der Französische Dom sah einmal völlig anders aus. Und auch weniger berühmte Orte: Das Funkamt Köpenick – gelegen in der Siedlung Uhlenhorst – steht oft im Schatten bekannterer Berliner Industriedenkmäler. Dabei war es einst eines der modernsten Rundfunksender Deutschlands. In den 1920er-Jahren wurde es im Stil des Backstein-Expressionismus errichtet. Heute sieht die Landschaft komplett anders aus.
Das Funkamt prägte die Landschaft

Das Hauptgebäude, der sogenannte Hans-Poelzig-Bau, wurde zwischen 1928 und 1930 nach Plänen des berühmten Architekten Hans Poelzig erbaut. Von hier aus wurden über Jahrzehnte Funkwellen in die Welt gesendet. Das Funkamt Köpenick prägte damals sogar das Stadtbild: Die 248 Meter hohe Antenne war weit über den Wald hinaus sichtbar.
Und es erbrachte eine oft unterschätzte Pionierleistung in der Geschichte der drahtlosen Telefone: Denn die Ingenieure entwickelten hier das erste funktionierende Mobilfunk-Telefonnetz Lateinamerikas und eines der ersten alltagstauglichen Mobiltelefone.
Zu DDR-Zeiten wurde das Gelände als „Sender Köpenick“ weitergeführt und war ein strategisch wichtiger Knotenpunkt für den staatlichen Rundfunk. Nach der Wende teilte man das Betriebsgelände auf. Auf dem nördlichen Teil wurde weiterhin Kommunikationstechnik hergestellt, der südliche Teil wurde dagegen stillgelegt und zurückgebaut.
Vom Pionierwerk zum Lost Place

Einst war es das Funkwerk der Stadt, nach dem Bau des Berliner Fernsehturm 1997 wurde die Anlage aber überflüssig. Nach und nach verlor Berlin dieses historische Gebäude: 2002 wurde auch der hohe Sendemast – ohnehin bereits baufällig – abgerissen.
Heute können wir diesen Ort daher eher als „Lost Place“ besuchen, zumindest für eine kurze Zeit. Hier soll nämlich neu gebaut werden. Laut den Plänen werden bald mehrere Wohnhäuser, Büros, eine Parkanlage und ein Spielplatz angelegt.
In jedem Fall könnt ihr den Besuch am ehemaligen Funkwerk Köpenick mit einem Ausflug in die Natur verbinden. Denn ganz in der Nähe liegt die Wuhlheide und der Müggelsee.