Wenn wir hoch oben stehen und die Aussicht geniessen, denken wir meist kaum an die Geschichte, die ein Ort in sich trägt. Stattdessen schweift der Blick über Wälder, Seen und die umliegende Landschaft, teilweise sogar bis zum Berliner Fernsehturm oder Tropical Islands. Doch genauso spannend wie die Aussicht selbst ist oft die Frage, wie solche Türme überhaupt entstanden sind. Und genau deshalb möchten wir euch heute einen Aussichtsturm vorstellen, der eine besonders bewegte Vergangenheit besitzt. Die Friedenswarte zählt zu den bekanntesten Aussichtstürmen Brandenburgs und steht auf dem rund 50 Meter hohen Marienberg, der höchsten natürlichen Erhebung der Stadt.

Die Friedenswarte auf dem Marienberg gilt heute als Wahrzeichen von Brandenburg an der Havel und bietet einen weiten Rundblick über die historischen Stadtteile, Seenlandschaften und Wälder der Umgebung. Gleichzeitig zählt der Turm zu den ungewöhnlichsten Aussichtsbauwerken Brandenburgs, denn hinter seiner futuristischen Erscheinung verbirgt sich eine bewegte Geschichte.
An derselben Stelle standen bereits mehrere monumentale Bauwerke. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entstand hier eine sogenannte Bismarckwarte, ein monumentaler Aussichtsturm zu Ehren von Otto von Bismarck. Initiator des Projekts war der Spielwarenfabrikant Ernst Paul Lehmann, entworfen wurde der Turm vom bekannten Architekten Bruno Möhring. Der Bau begann 1905, eröffnet wurde die Warte schließlich 1908.
Der damalige Turm bestand aus Rathenower Klinkern und großen Granitfindlingen vom Marienberg selbst. Besonders spektakulär war die Feuerschale auf dem Dach: Zu besonderen Anlässen wurden dort sogenannte „Bismarckfeuer“ entzündet, die weit über Brandenburg sichtbar waren und dem Turm eine fast monumentale Wirkung verliehen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich die politische Bedeutung des Bauwerks jedoch stark. 1958 wurde die Bismarckwarte offiziell in „Friedenswarte“ umbenannt. Die Bismarck-Büste verschwand und wurde durch eine Friedenstaube ersetzt, wodurch der Turm symbolisch an die Ideologie der DDR angepasst wurde.
1974 wurde der alte Turm schließlich gesprengt, offiziell wegen Baufälligkeit. Bis heute vermuten jedoch viele, dass auch politische Gründe eine Rolle spielten. Noch im selben Jahr entstand an gleicher Stelle der heutige Neubau aus Beton, der mit seiner ungewöhnlichen Form fast wie ein retro-futuristischer DDR-Beobachtungsturm wirkt. Eingeweiht wurde er am 7. Oktober 1974, passend zum 25. Jahrestag der DDR.
Die heutige Friedenswarte ist rund 32,5 Meter hoch und besitzt insgesamt zehn Aussichtsplattformen, davon fünf offene und fünf verglaste Ebenen. Besonders auffällig sind die zwei getrennten Wendeltreppen mit jeweils 180 Stufen: Eine schwarze Treppe dient dem Aufstieg, die rote dem Abstieg. Durch diese spiralförmige Konstruktion erinnert das Innere fast an eine Doppelhelix-Struktur wie bei einer DNA-Spirale.