Wer kennt sie nicht, die weltberühmten Märchen der Brüder Grimm? In Berlin erinnern viele Orte an sie, besonders eindrucksvoll der Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain. Doch wusstet ihr, dass die Sprachwissenschaftler ab 1841 bis zu ihrem Tod in Berlin lebten und wirkten?
Auf Einladung von König Friedrich Wilhelm IV. kamen sie in die preußische Metropole, um Vorlesungen zu halten und an ihrem gewaltigen Lebenswerk, dem „Deutschen Wörterbuch“, zu arbeiten. (Wenn ihr Lust auf mehr Märchen habt, schaut doch mal bei diesem tollen Konzert vorbei!)
Der Wohnort der Brüder Grimm: Die heutige Linkstraße am Potsdamer Platz

Ihr gemeinsames Zuhause befand sich in der Alten Potsdamer Straße 5, nur einen Steinwurf vom Potsdamer Platz entfernt. Hier verbrachten sie arbeitsreiche Jahre und prägten die deutsche Sprache wie wenige zuvor und seitdem.
Zwar wurde das ursprüngliche Wohnhaus im 2. Weltkrieg zerstört, doch wer heute nahe dem Berlinale Palast (am Marlene-Dietrich-Platz) genau hinsieht, entdeckt im Boden eingelassen eine Gedenktafel, die an den einstigen Lebensmittelpunkt der Brüder erinnert.
Ein unterschätztes Jahrhundertprojekt: Das „Deutsche Wörterbuch“

In den Berliner Jahren widmeten sich die Brüder unermüdlich ihrem Wörterbuch, dessen Aufwand sie jedoch völlig unterschätzten. Anfangs waren für das ambitionierte Projekt nur 6 bis 7 Bände und etwa zehn Jahre Arbeitszeit geplant.
Die Arbeit teilten sie sich auf: Wilhelm Grimm widmete sich dem Buchstaben D, während Jacob Grimm die kompletten Buchstaben A, B, C und E bearbeitete. Doch das Vorhaben wuchs ihnen über den Kopf und sie sollten ihr Projekt nicht überdauern.
Die letzte Ruhestätte: Historischer Friedhof in Schöneberg

Auf dem denkmalgeschützten Alten St.-Matthäus-Kirchhof im Bezirk Schöneberg fanden Wilhelm (gestorben 1859) und Jacob Grimm (gestorben 1863) ihre letzte Ruhestätte. Jacob verstarb über der Bearbeitung des Stichworts „Frucht“.
Die schlichten Grabsteine in der Ehrengräber-Reihe liegen idyllisch auf dem wunderschönen alten Friedhof und laden zu einem ruhigen Spaziergang ein — im Andenken an die Menschen, die unser Leben so bereichert haben.
Und das „Deutsche Wörterbuch“? Letztendlich haben ganze Generationen von Wissenschaftlern das Werk fortgeführt, bis es nach über 120 Jahren Arbeit im Jahr 1961 mit ganzen 33 Bänden vollendet wurde.
Eine echte Berliner Ehrung: Ein Tempel für die Wissenschaft

Die akademische Strahlkraft der beiden Forscher lebt unweit des Bahnhofs Friedrichstraße weiter. Das 2009 eröffnete Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität zu Berlin ist die imposante Zentralbibliothek der Hochschule.
Auch wenn sie hier nie selbst studierten, ist das nach ihnen benannte architektonische Meisterwerk eine wunderbare Erinnerung an ihre tiefgreifende Bedeutung für die deutsche Forschung und wird ihrem Geist vollends gerecht.