Die Berliner Kulinarik kennt viele Favoriten. In der Weihnachtszeit sind es ohne Frage heißer Glühwein und knackige Bratwurst. Wo man sie findet, weiß jeder – entsprechend platzen die Weihnachtsmärkte der Stadt derzeit aus allen Nähten. Konzepte wie All-you-can-eat-Weihnachtsmärkte bieten zwar preisfaire Alternativen, doch wirklich günstig wird es trotzdem nicht. Glühwein kostet an manchen Ständen inzwischen stolze 7,50 Euro. Ein ganz besonderer Favorit jedoch begleitet Berlin das ganze Jahr über und kommt nie aus der Mode: der Döner. Knuspriges Fladenbrot, saftiges Fleisch, individuell belegt und abgerundet mit würziger Sauce – aus der Berliner Imbisskultur ist er nicht wegzudenken. Und genau wie seine Beliebtheit hat sich auch sein Preis seit seiner Etablierung in Berlin um 1980 deutlich verändert. Über die Jahrzehnte hinweg ist er kontinuierlich gestiegen – ein Phänomen, das heute als Berliner Dönerflation bekannt ist.

In den 1980er-Jahren begann der Döner seinen Siegeszug durch die Berliner Imbisskultur. Mit einem Preis von rund 5 Deutschen Mark (DM) – umgerechnet etwa 2,56 Euro – war er eine erschwingliche, sättigende Mahlzeit für viele Berliner:innen. Die Dönerläden jener Zeit waren meist kleine Familienbetriebe: selbstgebaute Grills, improvisierte Tresen und ein schlichtes Fenster zur Straße prägten das Bild. Zu finden waren sie vor allem in Stadtteilen mit großen türkischen Communities wie Kreuzberg, Neukölln und Wedding.
Kalbfleisch galt damals als Standard, während sich die Hähnchenvariante erst in den 1990er-Jahren langsam durchsetzte. Fleisch, Salat, Zwiebeln und Tomaten, serviert in dickem Fladenbrot aus der Bäckerei um die Ecke – so sah der Döner dieser Zeit aus. Vegetarische Alternativen oder moderne Variationen mit Halloumi, Falafel oder ausgefallenen Saucen waren weitgehend unbekannt. Der Döner war „schlicht, aber ehrlich“: viel Fleisch, wenig Schnickschnack – und genau das machte ihn so beliebt.

In den 1990er-Jahren blieb der Dönerpreis mit 5 bis 6 D-Mark zunächst erstaunlich stabil. Das förderte seine Beliebtheit und festigte seinen Platz in der Berliner Esskultur. Der Döner war längst nicht mehr nur in türkisch geprägten Vierteln zu finden, sondern auch in zentralen Bezirken wie Mitte, Charlottenburg oder Prenzlauer Berg. Mit dem Mauerfall kamen neue Kundschaften hinzu – aus Ost wie West. Besonders rund um Bahnhöfe, U-Bahnhöfe und Einkaufszentren eröffneten zahlreiche neue Läden. Auch der Döner selbst veränderte sich: Das Brot wurde dünner, Rotkohl und Peperoni fanden ihren festen Platz. In dieser Zeit begann zudem der bis heute andauernde Wettstreit um die „beste Dönerbude Berlins“.
Mit der Einführung des Euro im Jahr 2002 lag der Preis für einen Döner bei etwa 2,50 Euro. Gegen Ende der 2000er-Jahre stieg er auf rund drei bis 3,50 Euro – ein Preisanstieg, der von den meisten akzeptiert wurde. Ab 2010 zog der Preis spürbarer an: Bis 2015 kostete ein Döner bereits etwa vier bis 4,50 Euro, zum Ende des Jahrzehnts erreichte er in vielen Imbissen erstmals die Fünf-Euro-Marke. Um sich von der Konkurrenz abzuheben, setzten viele Läden zunehmend auf Qualität, größere Portionen oder neue Saucenvarianten. Erstmals tauchten auch „luxuriösere“ Versionen mit Feta, Halloumi oder speziellen Kalbfleischmischungen auf.

Bis 2020 hatte sich der Markt weiter verändert. Im Jahr 2022 lag der Durchschnittspreis bereits bei rund 6 Euro – und günstiger wurde es seitdem nicht mehr. Aktuell liegt der durchschnittliche Dönerpreis in Berlin bei etwa 7,08 Euro, in manchen Läden sogar bei 8 Euro oder mehr. Als Hauptgründe gelten die Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Nachwirkungen: steigende Energie- und Rohstoffkosten, höhere Mieten sowie wachsende Lohnkosten. Gleichzeitig wurden Bio-Döner, vegane Seitan-Varianten oder hausgemachte Fladenbrote in vielen Imbissen zum Standard – und trieben die Preise weiter nach oben. Vom einstigen „Billig-Snack“ kann heute also keine Rede mehr sein.