Dass das Leben ständig teurer wird, können wir mittlerweile fast täglich beobachten. Ob beim Einkauf im Supermarkt, beim Drink in einer der schönen Bars der Stadt oder beim Restaurantbesuch – vielerorts müssen wir inzwischen tiefer in die Tasche greifen. Doch nicht nur Lebensmittel und Freizeitaktivitäten kosten mehr, auch das Tanken wird zunehmend zur Belastung für den Geldbeutel. Besonders deutlich wurde das an diesem Wochenende, als die Spritpreise innerhalb kürzester Zeit einen überraschenden Sprung machten. Am Samstag lagen die bundesweiten Durchschnittspreise laut Berichten bei rund 2,30 Euro pro Liter für Super E10 und 2,43 Euro für Diesel. Besonders auffällig war der Preissprung gegen 12 Uhr, als sich die Preise an den Tankstellen schlagartig erhöhten.

Die neuesten ADAC-Zahlen für Sonntag zeigen für Super E10 einen Preis von 2,273 Euro pro Liter und für Diesel von 2,404 Euro pro Liter. E10 erreichte damit ein neues Allzeithoch im bundesweiten Tagesdurchschnitt. Allein gegenüber Freitag verteuerte sich E10 um 1,7 Cent pro Liter, während Diesel um 3,5 Cent zulegte. Zum Vergleich: In der ADAC-Wochenauswertung vom 9. September kostete E10 durchschnittlich noch 2,259 Euro pro Liter, Diesel lag bei 2,321 Euro. Bereits zu diesem Zeitpunkt bezeichnete der ADAC das Preisniveau als deutlich zu hoch.
Ein wesentlicher Faktor ist die geopolitische Lage und der dadurch gestiegene Ölpreis. Der ADAC verwies zuletzt auf einen Brent-Ölpreis von knapp 100 Dollar je Barrel. Nach Einschätzung des Automobilclubs können der Ölpreis und der Euro-Dollar-Wechselkurs das derzeit hohe Preisniveau an deutschen Tankstellen allerdings nur teilweise erklären. Deshalb fordert der ADAC mehr Transparenz, insbesondere auf Raffinerie- und Großhandelsebene.
Hinzu kommt die seit dem 1. April 2026 geltende 12-Uhr-Regel. Seitdem dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich erhöhen, und zwar um 12 Uhr. Preissenkungen sind dagegen weiterhin jederzeit möglich. Eigentlich sollte die Regel starke Preisschwankungen begrenzen. Die ADAC-Daten zeigen jedoch, dass sich dadurch ein besonders ausgeprägter Tagesverlauf entwickelt hat.

Wie deutlich sich die Preise rund um 12 Uhr verändern können, zeigt ein Beispiel aus Berlin. An einer Jet-Tankstelle in Schöneweide kostete Super E10 kurz nach 11 Uhr 2,209 Euro pro Liter. Pünktlich um 12 Uhr steigen die Preise jedoch deutlich an. Dabei handelt es sich keineswegs um einen Berliner Einzelfall. Eine ADAC-Auswertung von mehr als 14.000 Tankstellen zeigt, dass kurz vor 12 Uhr derzeit tatsächlich der günstigste Zeitpunkt zum Tanken ist. Super E10 liegt unmittelbar vor 12 Uhr im Durchschnitt rund 3,7 Cent unter dem Tagesmittel, Diesel etwa 4,3 Cent darunter.
Um 12 Uhr folgt dann der deutliche Preissprung: Super E10 verteuert sich durchschnittlich um 14,6 Cent pro Liter, bei Diesel sind es sogar 18,4 Cent pro Liter. Anschließend sinken die Preise im Laufe des Tages wieder langsam.
Die Uhrzeit kann beim Tanken damit einen erheblichen finanziellen Unterschied machen. Bei einem 50-Liter-Tank entsprechen 18,4 Cent Preisunterschied rund 9,20 Euro. Wer in Berlin tanken muss, fährt derzeit also besonders günstig, wenn er kurz vor 12 Uhr und nicht unmittelbar danach zur Tankstelle fährt.