Berlin hat immer wieder internationale Filmstars und Musiklegenden inspiriert. Während die Stadt mit Nenas „99 Luftballons“ Musikgeschichte schrieb und einen Welthit hervorbrachte, wurde ihre außergewöhnliche Architektur auch zur Kulisse großer Hollywood-Produktionen. So verwandelte sich 2014 das futuristische ICC-Kongresszentrum in einen Schauplatz der dystopischen Welt von „Die Tribute von Panem“ mit Jennifer Lawrence. Zwölf Jahre später steht das einstige Wahrzeichen der Hauptstadt vor einer grundlegenden Veränderung.

Im Jahr 2014 fanden in Berlin Dreharbeiten für die international erfolgreiche Filmreihe „Die Tribute von Panem“ statt. Für den zweiten Teil von „Mockingjay“, der im November 2015 in die Kinos kam, nutzte die Filmproduktion unter anderem die markante Fußgängerunterführung am Messedamm, die zum ICC-Komplex gehört. Die orangefarbenen Fliesen, die geometrisch angeordneten Säulen und die langen unterirdischen Gänge passten hervorragend zur dystopischen Welt von Panem. Im Film dienen sie als Teil des unterirdischen Tunnelsystems des Kapitols, durch das sich Katniss Everdeen, gespielt von Jennifer Lawrence, und ihre Mitstreiter bewegen. Auf ihrem Weg durch die gefährlichen Gänge müssen sie sich gegen zahlreiche Bedrohungen behaupten.
Das Besondere daran ist, dass die Filmproduktion keine vollständig künstliche Kulisse errichten musste. Die vorhandene Architektur der Berliner Unterführung lieferte bereits einen Großteil der futuristischen Atmosphäre. Damit wurde ein gewöhnlicher Durchgang unter einer Berliner Straße zu einem Schauplatz einer der erfolgreichsten Filmreihen der 2010er-Jahre. Berlin spielte auch an weiteren Stellen eine wichtige Rolle für die Produktion. Neben dem ICC-Komplex dienten unter anderem der ehemalige Flughafen Tempelhof und das Kraftwerk an der Köpenicker Straße als Drehorte. Am 4. November 2015 feierte „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2“ schließlich seine Weltpremiere in Berlin. Jennifer Lawrence und weitere Mitglieder der Filmcrew reisten dafür in die deutsche Hauptstadt.

Während das ICC durch seine Rolle als Hollywood-Kulisse internationale Aufmerksamkeit erhielt, blieb seine Zukunft als Kongresszentrum lange ungewiss. Nach der Schließung im Jahr 2014 stand das riesige Gebäude über weite Strecken leer. Lediglich für einzelne Veranstaltungen und Ausstellungen wurden Teile des Komplexes zwischenzeitlich wieder geöffnet. Gleichzeitig verursachten die Sicherung und Instandhaltung weiterhin erhebliche Kosten, die sich auf rund zwei Millionen Euro jährlich beliefen.
Doch 2026 zeichnet sich eine neue Perspektive ab. Am 24. Juni präsentierte das Land Berlin die Ergebnisse eines Konzeptverfahrens zur Wiederbelebung des ICC. Eine Projektpartnerschaft aus Architektur-, Bau-, Planungs- und Kulturunternehmen erhielt eine offizielle Vergabeempfehlung und soll die weitere Entwicklung des Gebäudes vorantreiben.
Das ehemalige Kongresszentrum soll künftig zu einem international bedeutenden Standort für Kunst, Kultur, Kreativwirtschaft und Innovation werden. Vorgesehen sind unter anderem Ausstellungen, Konzerte, kulturelle Veranstaltungen, gastronomische Angebote sowie Arbeitsräume für Unternehmen und Kreativschaffende. Auch die großen Veranstaltungssäle und Foyers könnten wieder öffentlich zugänglich gemacht werden.