Einen Katzensprung aus der Stadt raus sieht die Welt gleich viel entspannter aus. Wer im Sommer ordentlich Ruhe genießen möchte, muss manchmal einfach Berlin hinter sich lassen. Dafür eignen sich nicht nur die zahlreichen Strandbäder im Umland, sondern auch besondere historische Orte. Einer davon ist die Wehrmuehle in Biesenthal, nordöstlich von Berlin. Die historische Mühlenanlage ist heute eine kunstzentrierte Institution für zeitgenössische Kunst und Kultur und verbindet ihre jahrhundertealte Geschichte mit einem modernen kulturellen Konzept.

Dabei geht es jedoch um weit mehr als einen klassischen Museumsbesuch, denn Kunst, Natur, Architektur und das historische Gelände werden bewusst miteinander verbunden. Die ehemalige Mühlenanlage bildet dafür eine außergewöhnliche Kulisse, in der historische Architektur auf moderne Erweiterungen und zeitgenössische Kunst trifft.
Bereits seit vielen Jahren finden in der Wehrmuehle Kunstausstellungen und kulturelle Projekte statt. Der Schwerpunkt liegt auf zeitgenössischer Kunst und reicht von Installationen und Skulpturen über Fotografie und Performances bis hin zu Soundarbeiten und Werken, die eigens für diesen besonderen Ort geschaffen werden. In der Vergangenheit waren hier unter anderem Arbeiten von Anne Imhof, Anna Uddenberg, Rosa Barba, Yngve Holen, Ana Mendieta, Berlinde De Bruyckere und Roman Signer zu sehen.
Besonders außergewöhnlich ist die Lage der Wehrmuehle. Das historische Gelände befindet sich an der Finow und ist von viel Grün und Natur umgeben. Der ökologische Erhalt und Schutz des Geländes sowie seiner Umgebung gehört sogar zu den zentralen Werten der Institution. Die Kunst beschränkt sich deshalb nicht ausschließlich auf klassische Innenräume. Vor allem während der Sommerausstellungen werden auch die Außenflächen und die umliegende Landschaft einbezogen. Bei Art Biesenthal 2026 gehören beispielsweise Performances, Soundarbeiten und ortsspezifische Installationen auf dem Mühlengelände und in der Flusslandschaft zum Konzept.

Auch 2026 gibt es in der Wehrmuehle einiges zu entdecken. Im Rahmen des Artists-in-Residence-Programms verbringt ein ausgewählter Kunstschaffender drei Wochen auf dem Gelände und erhält neben einer Unterkunft im historischen Gästehaus ein eigenes Studio sowie einen Produktionszuschuss von 1.000 Euro. Das während des Aufenthalts entstandene Werk soll anschließend Teil der Art Biesenthal 2026 Summer Group Exhibition werden, bei der etablierte und aufstrebende internationale Kunstschaffende zusammenkommen.
Für 2026 wurde außerdem die erste institutionelle Einzelausstellung von Sally von Rosen angekündigt. Im Mittelpunkt stehen ihre neuen Bronze-Skulpturen „Motherform“, die in einen Dialog mit dem Werk einer historischen surrealistischen Künstlerin treten. Wer die Wehrmuehle aktuell besuchen möchte, sollte vor der Anreise jedoch das jeweilige Ausstellungsprogramm und die Öffnungszeiten überprüfen, da diese abhängig von den laufenden Projekten und Veranstaltungen sein können.