Schöne Wohnsiedlungen gibt es in Berlin genug, doch welche sind nicht nur sehenswert, sondern stechen auch mit ihrer Architektur und Geschichte so richtig heraus? Von der vielfältigen Gastroszene in Charlottenburg bis zum alternativen Großstadtflair in Kreuzberg hat schließlich jeder Berliner Kiez seinen ganz eigenen Charakter. Doch auch abseits der zentralen City gibt es Wohnviertel, die einiges zu bieten haben. Ein besonderes Beispiel ist die Waldsiedlung Zehlendorf im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf, die zwischen 1926 und 1932 entstand.

Vielen Berliner ist die Waldsiedlung Zehlendorf besser als „Onkel-Tom-Siedlung“ bekannt. Sie gilt als bedeutendes Beispiel des Neuen Bauens und gehört zu den großen modernistischen Wohnsiedlungen Deutschlands. Besonders aktuell ist die Waldsiedlung seit diesem Sommer. Im Juli 2026 wurde sie offiziell in das UNESCO-Welterbe aufgenommen und bildet nun den siebten und abschließenden Bestandteil der „Siedlungen der Berliner Moderne“. Die anderen sechs Berliner Wohnsiedlungen gehören bereits seit 2008 zum UNESCO-Welterbe.
Die Waldsiedlung wurde zwischen 1926 und 1932 in mehreren Bauabschnitten errichtet. Insgesamt entstanden 1.917 Wohneinheiten, die sich auf mehrgeschossige Wohnhäuser und Einfamilien-Reihenhäuser verteilen. Die Dimensionen der Anlage sind entsprechend groß. Die zum Welterbe gehörende Waldsiedlung umfasst rund 49,7 Hektar und wird zusätzlich von einer rund 128,6 Hektar großen Pufferzone umgeben. Trotz dieser Größe sollte die Anlage gerade nicht den Eindruck einer dicht bebauten Großstadt vermitteln. Wohnhäuser, Reihenhäuser, Bäume und Grünflächen wurden so miteinander kombiniert, dass ein deutlicher Gegenentwurf zu den damals typischen Berliner Mietskasernen entstand.

Eine zentrale Rolle bei der Gestaltung der Waldsiedlung spielte Bruno Taut, einer der bedeutendsten Vertreter des Neuen Bauens in Deutschland. Neben ihm waren die Architekten Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg an der Planung beteiligt. Durch die Beteiligung unterschiedlicher Architekten entstand keine vollkommen einheitliche Siedlung. Die verschiedenen Bereiche besitzen eigene architektonische Merkmale, werden aber durch eine gemeinsame moderne Vorstellung von gesundem und funktionalem Wohnen miteinander verbunden.
Bereits der Name „Waldsiedlung“ verweist auf eines der wichtigsten Merkmale der Anlage. Die Gebäude wurden bewusst in die vorhandene Waldlandschaft integriert. Zahlreiche Bäume blieben erhalten und wurden zu einem wesentlichen Bestandteil des Wohnviertels. Die Waldsiedlung entstand zu einer Zeit, in der Berlin dringend neuen und besseren Wohnraum benötigte. Viele Menschen lebten damals in dicht bebauten Mietskasernen mit engen Hinterhöfen, dunklen Wohnungen und teilweise schlechten hygienischen Bedingungen.
Die Vertreter des Neuen Bauens wollten diesem Modell eine neue Vorstellung vom Wohnen entgegensetzen. Licht, Luft, Sonne und Grün sollten zu selbstverständlichen Bestandteilen des Alltags werden. Wohnungen sollten funktionaler und heller sein, während die Bewohner gleichzeitig Zugang zu Freiflächen und Natur erhalten sollten.
Im Juli 2026 genehmigte das UNESCO-Welterbekomitee schließlich die Erweiterung der bestehenden Welterbestätte um die Waldsiedlung Zehlendorf. Dabei handelt es sich nicht um eine vollkommen neue und eigenständige UNESCO-Welterbestätte. Stattdessen wurde die Waldsiedlung in das bereits seit 2008 bestehende Welterbe „Siedlungen der Berliner Moderne“ aufgenommen.