Kunst könnte in Berlin kaum abwechslungsreicher sein. Ständig eröffnen neue Ausstellungen, die für jeden Geschmack etwas bereithalten. Besonders spannend wird es jedoch, wenn Kunst an einem völlig unerwarteten Ort gezeigt wird – denn gerade dieser Kontrast macht das Kulturerlebnis oft noch faszinierender. Zeitgenössische Kunst begegnet uns in Berlin meist in modernen Galerien oder urbanen Räumen, doch diesmal ist alles anders: Unter dem Titel „FREIRAUM KUNST – Akademie der Künste Goes Bellevue“ verwandelt sich Schloss Bellevue vom 13. bis 28. Juni für rund zwei Wochen in einen temporären Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst.

Organisiert wird das Projekt von der Akademie der Künste gemeinsam mit dem Amt des Bundespräsidenten. Anlass ist die bevorstehende Sanierung des Schlosses. Bevor die Renovierungsarbeiten beginnen, werden die weitgehend leergeräumten Räume für eine einmalige Kunstausstellung geöffnet.
Besonders ist dabei vor allem der Ort selbst. Schloss Bellevue dient normalerweise als Amtssitz von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und ist Schauplatz von Staatsempfängen, politischen Gesprächen und offiziellen Veranstaltungen. Anders als in einem Museum oder einer Galerie werden die Kunstwerke daher nicht in einem neutralen Ausstellungsraum präsentiert, sondern an einem Ort, der eng mit deutscher Geschichte, Demokratie und politischer Repräsentation verbunden ist.
Die ausgestellten Werke treten dabei bewusst mit dem Gebäude in Dialog. Die Künstlerinnen und Künstler setzen sich mit den Räumen, der Geschichte und der politischen Bedeutung des Schlosses auseinander. Dadurch wird nicht nur die Kunst zum Ausstellungsobjekt, sondern auch das Gebäude selbst zu einem Teil der Inszenierung.

Schloss Bellevue wurde bereits im Jahr 1786 erbaut und ist seit 1994 offizieller Amtssitz des Bundespräsidenten. Der Eintritt zur Ausstellung ist kostenlos, Besucher benötigen jedoch ein Zeitfenster-Ticket. Die verfügbaren Tickets waren innerhalb kurzer Zeit vollständig vergriffen. Durch Stornierungen können jedoch kurzfristig wieder Plätze verfügbar werden.
Die Ausstellung findet genau jetzt statt, weil vor der anstehenden Sanierung Räume zugänglich werden, die normalerweise nicht öffentlich genutzt werden können. Diese Übergangsphase wird bewusst als künstlerischer Freiraum genutzt.
Für Besucher bietet sich dadurch eine seltene Gelegenheit. Im Mittelpunkt steht nicht nur die zeitgenössische Kunst, sondern auch Schloss Bellevue selbst. Nur für kurze Zeit kann der Amtssitz des Bundespräsidenten als begehbarer Kunstraum erlebt werden – eine Verbindung aus Architektur, Geschichte, Politik und Gegenwartskunst, die in dieser Form einzigartig ist.