Am westlichen Ende der Parkanlage von Sanssouci thront das Neue Palais. Hier erwarten euch gewaltige Säle, unzählige Sandsteinfiguren und prächtigen Kolonnaden. Und es lohnt sich, vor dem Besuch in die Vergangenheit des Orts einzutauchen, denn hier trifft deutsche Geschichte auf echte Tragik.
Warum der Name des Schlosses kurzzeitig auf der Kippe stand und was den Protz-Bau ausmacht, verraten wir euch in diesem Artikel. Und wenn ihr Lust auf mehr märchenhafte Erfahrungen habt, dann schaut auch unbedingt bei diesem Event vorbei.
Das Neue Palais in Potsdam: Friedrichs teuerste „Fanfaronnade“

Friedrich der Große ließ das Neue Palais ab 1763 nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges errichten. Er nannte das Gebäude seine „Fanfaronnade“ (franz. für Prahlerei). Damit wollte er zeigen, dass die preußische Staatskasse trotz des langen Krieges noch prall gefüllt ist.
Heraus kam ein gigantischer Palast, der gar nicht für ihn selbst, sondern als Gästeschloss für hochrangigen Besuch und Feste gedacht war. Ihr lauft hier durch endlose Flure und entdeckt Räume, die vor Gold, Samt und aufwendigen Deckenmalereien nur so strotzen.
“Schloss Friedrichskron”: Ein sterbender Kaiser und sein verzweifelter Wunsch

1888 ließ sich der schwer erkrankte Kaiser Friedrich III. ins Neue Palais bringen, um an seinem Geburtsort zu sterben. Der Monarchen war nur 99 Tage im Amt gewesen und hatte seine vielen, ein Leben lang geplante liberale Reformen nicht durchsetzen können.
Verzweifelt wollte er irgendetwas seinen Stempel aufdrücken, irgendetwas hinterlassen. Also nannte er den geliebten Geburtsort in „Schloss Friedrichskron“ um. Offiziell war das eine Hommage an den Bauherrn, Friedrich den Großen. In Wirklichkeit es war ein letzter, verzweifelter Aufschrei
Nach dem Tod seines Vaters machte Nachfolger Kaiser Wilhelm II. die Umbenennung rückgängig. Aus tiefer Abneigung gegen den liberalen 99-Tage-Kaiser gab Wilhelm dem Bauwerk seinen ursprünglichen Namen Neues Palais zurück. Die kaiserliche Witwe war tief gekränkt.
Marmor, Muscheln und 400 steinerne Wächter

Schon von weitem fallen euch die rund 400 Statuen auf, die das Dach und die Fassaden säumen. Auf der Rückseite beeindrucken die geschwungenen Kolonnaden der sogenannten Communs – die früher als Wirtschaftsgebäude und Dienerunterkünfte dienten.
Im Inneren verschlägt euch dann der Grottensaal die Sprache: Die Wände sind über und über mit Muscheln, Glas und Mineralien verziert, was wie eine funkelnde Unterwasserwelt wirkt. Es gibt außerdem ein hauseigenes Theater sowie viele tolle Pracht- und Prunksäle.
🚗 Mit dem Auto erreicht ihr das Gelände unkompliziert über die B2 und B273; kostenpflichtige Parkplätze gibt es direkt am Besucherzentrum.
🚇 Mit den Öffis fahrt ihr mit der Regionalbahn bis zum Bahnhof Potsdam Park Sanssouci und spaziert die letzten Meter bequem durch die Grünanlagen.
📍 Am Neuen Palais, 14469 Potsdam
📆 Mittwoch bis Montag, 10–17:30 Uhr (im Winter bis 16:30 Uhr), Dienstag geschlossen
⏳ ca. 75 – 120 Minuten
💵 Vor Ort: Grand Tour 14 € (ermäßigt 10 €), Online: Kombiticket sanssouci+ 22 €
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