Berlin bedeutet Leben, Abwechslung und unzählige Möglichkeiten für die Freizeitgestaltung – doch wo findet man Ruhe? Oft reicht schon ein kleiner Schritt aus der Stadt hinaus, um inmitten beeindruckender Natur durchzuatmen. Davon gibt es im Berliner Umland reichlich: von der bezaubernden weltweit größten Rosensammlung bis hin zu nahezu unberührten Wildnislandschaften. Ihr entscheidet, wonach euch der Sinn steht. In einem der größten Schutzgebiete Deutschlands verbirgt sich nicht nur eine außergewöhnlich artenreicher Wildpark, sondern das älteste Naturgebiete Brandenburgs. Gemeint ist das Plagefenn – ein Moorgebiet im UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, das zu den ökologisch wertvollsten Landschaften des Bundeslandes zählt.

Das Schutzgebiet umfasst Moore, Feuchtgebiete, Seen, Wälder und zahlreiche seltene Lebensräume, die vielen bedrohten Tier- und Pflanzenarten einen Rückzugsort bieten. Der Name geht auf die mittelalterliche Siedlung „Plawe“ zurück. Im Altpolabischen bedeutet „Plaw“ so viel wie sumpfiges Gelände oder Moor.
Eine besondere Bedeutung erhielt das Gebiet bereits im Jahr 1907, als es auf Initiative des Forstmeisters Max Kienitz unter Schutz gestellt wurde. Damit gilt das Plagefenn als ältestes Naturschutzgebiet Brandenburgs und gehört zugleich zu den ältesten Schutzgebieten Norddeutschlands. Die ursprüngliche Schutzfläche umfasste 177 Hektar. Heute erstreckt sich das Naturschutzgebiet über rund 1.054 Hektar, während das besonders streng geschützte Totalreservat etwa 290 Hektar umfasst. Darüber hinaus ist das Plagefenn Teil des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin, das sich über mehr als 129.000 Hektar erstreckt.
Seine heutige Landschaft entstand während der letzten Eiszeit als Zungenbecken eines Gletschers. Charakteristisch sind ausgedehnte Moorflächen, Verlandungszonen, Feuchtwälder und die beiden Plageseen. Viele Bereiche wurden bewusst sich selbst überlassen, damit natürliche Prozesse möglichst ungestört ablaufen können. Genau das macht das Plagefenn so außergewöhnlich: Anders als in vielen Parks wird die Natur hier nicht gestaltet oder gepflegt, sondern darf sich weitgehend ohne menschliche Eingriffe entwickeln.

Besucher können die streng geschützte Kernzone nicht frei betreten. Dieser Schutz trägt entscheidend dazu bei, dass die Landschaft bis heute ihren ursprünglichen Charakter bewahren konnte. Stattdessen führen ausgewiesene Wander- und Radwege entlang der Randbereiche des Reservats und ermöglichen Einblicke in die einzigartige Moorlandschaft. Dabei lassen sich geheimnisvolle Moorflächen, kleine Waldseen, alte Kiefern- und Laubwälder sowie zahlreiche Vogelarten beobachten. Die weitgehend unberührte Natur verleiht dem Gebiet eine besondere Atmosphäre, die in Brandenburg nur noch selten zu finden ist.