Wo der Fluss die Regeln schreibt und die Natur tief Luft holt, kannst du Deutschlands einzige Flussauen-Wildnis entdecken, in der Wasser und Land in einem ewigen Rhythmus verschmelzen. Am 10. September 1995 wurde mit der Gründung des Nationalpark Unteres Odertal ein visionäres Projekt Wirklichkeit.
Er nimmt eine Sonderstellung in der deutschen Naturschutzlandschaft ein, denn er ist Deutschlands einziger Flussauen-Nationalpark. Doch die Natur kennt keine Staatsgrenzen: Gemeinsam mit den angrenzenden polnischen Landschaftsschutzparks bildet er ein riesiges, grenzüberschreitendes Schutzgebiet, das eine der letzten naturnahen Stromtalauen Mitteleuropas bewahrt.

Das Herzstück dieses Ökosystems ist das ausgeklügelte System der Polder. Diese tiefgelegenen Flächen werden im Winter gezielt geflutet. Was auf den ersten Blick wie ein „Land unter“ wirkt, ist ein Segen für die Biodiversität. Die Sedimente des Oderwassers düngen die Wiesen, und im Frühjahr verwandelt sich die Landschaft in ein Mosaik aus Wasserflächen und saftigem Grün.
Ein Paradies für Schwingenträger

Die Artenvielfalt im Park ist rekordverdächtig. Besonders Vogelliebhaber kommen hier auf ihre Kosten, denn das Gebiet beheimatet alle in Deutschland vorkommenden Adlerarten. See-, Fisch- und die seltenen Schreiadler können hier majestätisch über dich kreisen. Insgesamt wurden im Nationalpark Unteres Odertal bisher 236 verschiedene Vogelarten nachgewiesen, die das Gebiet als Brut-, Rast- oder Überwinterungsplatz nutzen.
Ein ganz besonderes Schauspiel ereignet sich im Frühjahr und Herbst, wenn tausende Kraniche im Nationalpark rasten. Wer sich in den frühen Morgenstunden an die Beobachtungspunkte begibt, erlebt einen magischen Moment – Den gemeinsamen Abflug der Vögel von ihren Schlafplätzen im seichten Wasser zu den Futterfeldern. Das Besondere am morgendlichen Erwachen ist die akustische Kulisse. Das weithin schallende Trompeten der Kraniche im ersten Licht des Tages, gepaart mit dem Anblick, wenn sich hunderte Silhouetten gleichzeitig gegen den oft nebelverhangenen Horizont erheben ist einmalig. Es ist ein Moment absoluter Erhabenheit.

Wandern im Nationalpark Unteres Odertal
Für Entdecker bietet sich das beschauliche Dorf Criewen als idealer Startpunkt an. Hier befindet sich nicht nur das Nationalparkzentrum mit seiner sehenswerten Ausstellung, sondern auch der Beginn herrlicher Wanderrouten. Eine besonders empfehlenswerte Tour ist der „Weg der Auenblicke“. Er führt von Criewen aus entlang der bewaldeten Talhänge. Von dort oben bieten sich spektakuläre Panoramablicke über die weite Polderlandschaft bis hinüber nach Polen – ein Anblick, der die Ruhe und Weite dieser einzigartigen Flusslandschaft spürbar macht.