Die Berliner U-Bahn und S-Bahn sind legendär. Wo sonst muss man sich die Nase zuhalten, während man Geigenspieler neben Ghettoblastern hört? Außerdem haben wir wunderschöne U-Bahnstationen und den wohl beliebtesten Verkehrsverbund der Welt. (#BVG)
Aber es gibt auch ein vergessenes Kapitel aus unserer Verkehrsgeschichte. Der Vorschlang klang damals, als würde die Welt auf den Kopf gedreht: Führerlose Züge, die geräuschlos auf einem Magnetkissen durch die Stadt gleiten. Doch für die West-Berliner war das für einen kurzen Moment Realität.
Die M-Bahn – Berlins Ausflug in die Welt der Magnetbahn-Technologie

Die Idee entstand in den späten 1970er Jahren. West-Berlin suchte nach Wegen, das neue Kulturforum verkehrstechnisch anzubinden. Die Idee: Eine vollautomatische Magnetbahn, umweltfreundlich, leise und wartungsarm. Da die Trasse der alten U-Bahn-Linie U2 durch die Teilung brachlag, bot sie sich als ideale Teststrecke an.
1984 begannen die Bauarbeiten der 1,6 Kilometer langen Strecke, die nach einigen unvorhergesehenen Hürden am Ende rund 160 Millionen D-Mark kosten sollte (rund 170 Mio. € nach Währungsumrechnung und Inflationsausgleich).
Nach einigen Rückschlägen (darunter ein Brandanschlag und ein Unfall, bei dem ein Testzug durch die Glasfassade der Endstation Kemperplatz brach) durften im August 1989 die ersten Fahrgäste einsteigen.
In einem 20-minütigen Spaziergang könnt ihr die alte Hochbahnstrecke zwischen Kemperplatz und Gleisdreieck entlangschlendern. Das lohnt sich gleich doppelt, denn am Potsdamer Platz könnt ihr einen Stop bei Upside Down Berlin einlegen.
Die West-Berliner liebten ihre futuristische Attraktion, doch das Schicksal hatte andere Pläne

Im November 1989 änderte sich für Berlin schlagartig alles. Die Mauer, die den Bau der M-Bahn erst nötig und möglich gemacht hatte, fiel wenige Monate nach der Eröffnung der Magnetbahn.
Die Prioritäten der Stadtplanung verschoben sich über Nacht. Die alte U2, Berlins historische Lebensader, sollte und musste wieder durchgängig befahrbar gemacht werden. Dafür war die neue M-Bahn schlichtweg im Weg.
Es war der Beginn eines Abschieds auf Raten

Nach knapp zwei Jahren kostenlosem Probebetrieb schwebte die Bahn im offiziellen Regelbetrieb gerade einmal 14 Tage lang über die Stadt. Im Juli 1991 wurde die M-Bahn in den regulären Tarif des BVG-Netzes aufgenommen… Im August desselben Jahres wurde die Strecke endgültig stillgelegt. Im Jahr darauf begannen bereits die Abrissarbeiten.
Heute erinnert im Stadtbild kaum noch etwas an das Projekt. Die Züge wurden verschrottet oder landeten im Museum, die massiven Betonstelzen wurden abgebaut, die Bahnhöfe umfunktioniert oder abgerissen.
Die M-Bahn bleibt eine faszinierende Fußnote der Berliner Verkehrsgeschichte, ein technologischer Traum, der höheren Prioritäten weichen musste. Sie war die richtige Idee zur falschen Zeit, denn die Welt wandelte sich schneller, als ein Zug fahren konnte.