Früher einer der härtesten Clubs der Welt, heute ein Berliner Bunker mit privater Kunstsammlung: Einige Gebäude in der Hauptstadt erzählen Geschichten, die wohl die wenigsten hinter ihren heutigen Fassaden vermuten würden. Oft steckt erstaunlich viel Vergangenheit in Orten, die längst eine völlig neue, moderne Nutzung gefunden haben. Und wer sich besonders für diese Seite der Berliner Architekturgeschichte interessiert, für den haben wir noch eine weitere spannende Geschichte. Das ursprüngliche Karstadt am Hermannplatz wurde zwischen 1927 und 1929 nach Plänen des Architekten Philipp Schaefer errichtet und am 21. Juni 1929 eröffnet. Das Gebäude galt als eines der außergewöhnlichsten Kaufhäuser Berlins und war stark von der amerikanischen Hochhausarchitektur und dem Art déco beeinflusst.

Damals war es der größte Warenhausbau der Weimarer Republik und eines der modernsten Kaufhäuser Europas. Mit rund 72.000 Quadratmetern Nutzfläche erreichte der Komplex gewaltige Dimensionen. Die Fläche verteilte sich auf neun Geschosse, davon zwei unterirdisch. Rund 4.000 Menschen arbeiteten dort. Sogar der U-Bahnhof Hermannplatz war unterirdisch direkt mit dem Kaufhaus verbunden. Schon von Weitem fielen die beiden 56 Meter hohen Türme ins Auge. Auf ihnen befanden sich zusätzlich jeweils rund 15 Meter hohe Lichtsäulen, wodurch das Gebäude nachts noch monumentaler wirkte. Die helle Fassade bestand aus Muschelkalk, während die vertikale Gestaltung deutlich an amerikanische Hochhäuser jener Zeit erinnerte.
Eine der spektakulärsten Attraktionen befand sich auf dem Dach. Zwischen den beiden Türmen erstreckte sich ein rund 4.000 Quadratmeter großer Dachgarten mit Restaurant, der etwa 500 Gästen Platz bot. Von dort blickten Besucher über Kreuzberg und Neukölln, während nachmittags sogar Musikkapellen für Unterhaltung sorgten. Der Dachgarten entwickelte sich zu einem solchen Publikumsmagneten, dass zahlreiche Berliner allein wegen der Aussicht kamen, ohne im Restaurant etwas zu bestellen. Deshalb wurde der Zugang später zeitweise kostenpflichtig.

Technisch war das Warenhaus seiner Zeit ebenfalls weit voraus. Es verfügte über mehrere Lastenaufzüge, von denen einer so groß war, dass ein voll beladener Lastwagen bis in die fünfte Etage zur Lebensmittelabteilung transportiert werden konnte. Hinzu kamen zahlreiche Personen- und Speiseaufzüge sowie elektrische Rolltreppen. Besonders bemerkenswert ist das Ende des ursprünglichen Gebäudes. Obwohl Berlin während des Zweiten Weltkriegs von zahlreichen schweren Luftangriffen getroffen wurde, soll das Kaufhaus selbst keinen direkten Bombentreffer erlitten haben.
Trotzdem überstand der monumentale Bau den Krieg nicht. Am 25. April 1945, unmittelbar vor Kriegsende, wurde das Gebäude von SS-Einheiten gesprengt und brannte aus. Hintergrund war, dass die dort gelagerten großen Waren- und Lebensmittelbestände nicht der heranrückenden Roten Armee überlassen werden sollten. Von dem einst riesigen Kaufhaus blieb nur ein vergleichsweise kleiner Teil an der Hasenheide erhalten. Bereits 1945 wurde dort wieder verkauft, ab 1951 folgte der Wiederaufbau in deutlich kleinerer und schlichterer Form. Teile des historischen Bestands sind heute denkmalgeschützt.
Jahrzehnte später gab es konkrete Pläne, das historische Erscheinungsbild zumindest teilweise wiederherzustellen. Die Signa-Gruppe des Investors René Benko wollte das Warenhaus umfassend umbauen und erweitern. Für die Planung wurde das renommierte Architekturbüro David Chipperfield Architects beauftragt. Die Entwürfe griffen die charakteristische Silhouette des Kaufhauses von 1929 mit seinen beiden Türmen wieder auf. Das Vorhaben entwickelte sich jedoch zu einem langjährigen politischen und städtebaulichen Streit. Die ursprünglichen Signa-Pläne wurden nicht einfach 2019 endgültig „abgelehnt“; vielmehr folgten weitere Verhandlungen und überarbeitete Entwürfe. Später geriet Signa in die Insolvenz, wodurch die Zukunft des Projekts erneut unsicher wurde.