Berlin war immer wieder Schauplatz unvergesslicher Momente internationaler Berühmtheiten. Während Michael Jackson 2002 mit seinem umstrittenen Balkonauftritt am Hotel Adlon weltweit für Schlagzeilen sorgte, schrieb John F. Kennedy bereits 1963 mit nur vier Worten Geschichte. Vor Hunderttausenden Menschen am Rathaus Schöneberg erklärte der damalige US-Präsident „Ich bin ein Berliner“ und setzte damit ein Zeichen der Solidarität mit der geteilten Stadt. Doch um seine berühmte Aussage rankt sich bis heute ein kurioser Mythos: Soll Kennedy sich damit tatsächlich versehentlich als Pfannkuchen bezeichnet haben?

Am 26. Juni 1963 hielt US-Präsident John F. Kennedy vor rund 450.000 Menschen am Rathaus Schöneberg eine der berühmtesten Reden des Kalten Krieges. Mit den Worten „Ich bin ein Berliner“ bekundete er seine Solidarität mit den Menschen im geteilten Berlin. Doch Jahrzehnte später verbreitete sich eine kuriose Geschichte: Kennedy habe sich durch einen sprachlichen Fehler nicht als Berliner Bürger, sondern als marmeladengefülltes Gebäck bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich dabei um einen Mythos, der bis heute immer wieder aufgegriffen wird.
Knapp zwei Jahre nach dem Bau der Berliner Mauer besuchte Kennedy West-Berlin, um die Unterstützung der Vereinigten Staaten für die eingeschlossene Stadt zu bekräftigen. Die politische Situation war angespannt, denn West-Berlin lag vollständig von DDR-Gebiet umgeben. Gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister Willy Brandt und Bundeskanzler Konrad Adenauer trat Kennedy vor eine riesige Menschenmenge am Rathaus Schöneberg.
Seine Rede sollte den West-Berlinern Mut machen und verdeutlichen, dass die USA an ihrer Seite standen. Der Satz „Ich bin ein Berliner“ wurde zum emotionalen Höhepunkt seines Besuchs und ging als Symbol für Freiheit und internationale Solidarität in die Geschichte ein.

Die Geschichte beruht auf einer sprachlichen Doppeldeutigkeit. In vielen Teilen Deutschlands bezeichnet das Wort „Berliner“ ein rundes, mit Marmelade gefülltes Hefegebäck. In Berlin selbst heißt diese Süßspeise allerdings traditionell „Pfannkuchen“. Der Legende zufolge hätte Kennedy deshalb „Ich bin Berliner“ statt „Ich bin ein Berliner“ sagen müssen. Durch den zusätzlichen Artikel „ein“ habe er sich angeblich als Gebäck bezeichnet.
Besonders interessant ist, dass die angebliche Sprachpanne während Kennedys Rede überhaupt kein Thema war. Die Zuhörer verstanden seine Worte richtig und reagierten mit begeistertem Applaus. Kennedy hatte die deutsche Formulierung zuvor sogar mit dem deutschsprachigen Übersetzer Robert Lochner geübt. Erst Jahre später verbreitete sich die falsche Interpretation. Einen entscheidenden Beitrag leistete 1988 ein Artikel der New York Times, der die Geschichte unter dem Titel „I Am a Jelly-Filled Doughnut“ aufgriff. Dadurch gewann der Mythos vor allem im englischsprachigen Raum an Bekanntheit.
Kennedys Besuch war einer der emotionalsten Momente der Berliner Nachkriegsgeschichte. Rund zwei Millionen Menschen säumten während seines Aufenthalts die Straßen West-Berlins. Nur wenige Monate nach seiner historischen Rede wurde der US-Präsident am 22. November 1963 in Dallas ermordet. Der Platz vor dem Rathaus Schöneberg, damals Rudolph-Wilde-Platz, wurde nach seinem Tod in John-F.-Kennedy-Platz umbenannt. Bis heute erinnert der Ort an seinen historischen Auftritt und an die besondere Verbindung zwischen Berlin und den Vereinigten Staaten.