Mitten im glitzernden Wasser des Gudelacksees, direkt vor den Toren der Drei-Seen-Stadt Lindow (Mark), liegt ein ganz besonderer Schatz der brandenburgischen Natur: die Insel Werder. Mit einer Fläche von rund 45 Hektar gehört sie zu den größten Binneninseln der Region. Heute präsentiert sich das Eiland im Gudelacksee als eine Oase der absoluten Stille und Unberührtheit, in der die Uhren spürbar langsamer ticken. Doch wer die dichten Wälder und die versteckten Winkel der Insel erkundet, stößt auf eine faszinierende Historie, die weit über ein reines Naturparadies hinausgeht.
Zwischen Zufluchtsort und Ziegelindustrie

Die Geschichte der Insel Werder reicht weit zurück. Sie ist eng mit den Menschen auf dem Festland verknüpft. Schon in slawischer Zeit bot das Areal Schutz und Lebensraum. Eine historische Schlüsselrolle fiel der Insel im Dreißigjährigen Krieg zu. Marodierende Truppen plünderten damals die Mark Brandenburg. Deshalb floh die gesamte Bevölkerung Lindows auf den Werder. Im dichten Wald und geschützt durch den tiefen See fanden die Einwohner ein sicheres Versteck.
Jahrhunderte später wandelte sich das Gesicht der Insel grundlegend. Sie wurde für die Industrie entdeckt. Vom 18. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg folgte eine intensive wirtschaftliche Nutzung. Aufgrund reicher Tonvorkommen entstand eine eigene Insel-Ziegelei. Arbeiter bauten im großen Stil Ton ab. Daraus brannten sie Baumaterial für die gesamte Region. Aus dieser Epoche stammen auch zwei kleine Binnenseen auf der Insel. Es sind die ehemaligen Tongruben. Diese füllten sich nach dem Abbau mit Wasser und wurden zu idyllischen Biotopen.
Naturerlebnis und Erreichbarkeit der Insel Werder im Gudelacksee

Heute ist die kommerzielle Nutzung der Vergangenheit gewichen und die Natur hat sich ihr Terrain zurückgeholt. Der größte Teil des Werders steht nämlich unter Naturschutz und wird ökologisch bewirtschaftet, wobei bewusst auf modernen Komfort wie Strom oder fließendes Wasser verzichtet wird. Dennoch – oder gerade deshalb – hält die Stadt Lindow für moderne Abenteurer und Wasserwanderer ein besonderes Highlight bereit. Auf der Insel Werder im Gudelacksee gibt es einen kleinen, offiziell ausgewiesenen Biwakplatz. Wer demnach mit dem Kanu, Kajak oder Floß die Ruppiner Gewässer erkundet, darf hier legal anlanden, sein Zelt aufschlagen und eine Nacht in vollkommener Abgeschiedenheit unter dem Sternenhimmel verbringen.
Da die Insel Werder über keinerlei Brückenverbindung verfügt, ist sie ausschließlich über das Wasser zu erreichen. Diese Barriere schützt ihren einzigartigen Charakter, sodass die Idylle bewahrt bleibt. In den Sommermonaten steuert das Ausflugsschiff „MS Dorothee“ die Insel regelmäßig vom Lindower Hafen aus an. Wer jedoch lieber flexibel und auf eigene Faust übersetzen möchte, kann sich direkt in Lindow ein Ruderboot, Kanu oder ein führerscheinfreies Motorboot leihen. Die kurze Fahrt über den Gudelacksee belohnt jeden Besucher mit dem unvergleichlichen Gefühl, eine eigene kleine Welt betreten zu haben.