Mitten im märkischen Wald bei Wünsdorf liegt ein geschichtlicher Ort von weltweiter Bedeutung: der Ehrenfriedhof Zehrensdorf, auch bekannt als Zehrensdorf Indian Cemetery. Die Entstehung dieser einzigartigen Kriegsgräberstätte geht auf den Ersten Weltkrieg zurück. Ab 1914 errichtete das Deutsche Kaiserreich in Wünsdorf das sogenannte „Halbmondlager“, in dem gezielt muslimische, hinduistische und sikh-gläubige Kriegsgefangene aus den britischen und französischen Kolonien interniert wurden.
Ein indischer Ehrenfriedhof im märkischen Wald

Über 200 indische Soldaten, die fernab ihrer Heimat im Lager an Krankheiten oder den Folgen des harten Winters starben, fanden auf dem eigens dafür eingerichteten Friedhof in Zehrensdorf ihre letzte Ruhestätte. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet das Areal in der sowjetischen Sperrzone völlig in Vergessenheit und verwilderte.
Erst nach dem Abzug der Roten Armee im Jahr 1994 wurde die Anlage in jahrelanger Arbeit durch die Commonwealth War Graves Commission originalgetreu rekonstruiert. Heute wirkt der Friedhof mit seinen perfekt gepflegten, englischen Rasenflächen und den hellen Grabsteinen, die mit hinduistischen und sikh-religiösen Symbolen sowie den Namen der Gefallenen verziert sind, wie eine friedliche, fast surreale Oase mitten im brandenburgischen Kiefernwald.
Eingebettet in unberührte Natur und Militärgeschichte

Umgeben ist der Ehrenfriedhof Zehrensdorf von der wilden Schönheit des Naturschutzgebiets Jägersberg-Schirknitzberg. Diese rund 1.600 Hektar große, eiszeitlich geprägte Landschaft verdankt ihr heutiges Erscheinungsbild ironischerweise ebenfalls der Militärgeschichte. Da das Areal jahrzehntelang als Truppenübungsplatz genutzt wurde, rissen Panzerketten den Boden immer wieder auf.
Dadurch entstand eine wertvolle, offene Kulturlandschaft aus weitläufigen Binnendünen, Flugsandfeldern und lila blühenden Heideflächen, die heute unter europäischem Schutz steht. Wer den Friedhof besucht, wandert durch lichte, alte Eichenwälder und Moore, die seltenen Tierarten wie der Heidelerche oder geschützten Fledermäusen als Rückzugsort dienen. Tief im Dickicht des Schutzgebiets kann man zudem auf rostige Relikte wie verlassene sowjetische Übungspanzer stoßen.
Das Naturschutzgebiet Jägersberg-Schirknitzberg bildet somit den perfekten, andächtigen Rahmen für den Zehrensdorf Indian Cemetery, indem es die Spuren der Vergangenheit harmonisch mit unberührter Natur verschmelzen lässt.