Der Ernst-Thälmann-Park im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg ist weit mehr als nur eine Grünfläche. Das rund 25 Hektar große Areal, das am 16. April 1986 feierlich eingeweiht wurde, gilt heute als einzigartiges, unter Denkmalschutz stehendes Ensemble aus sozialistischem Städtebau, Gedenkstätte und einer wertvollen grünen Oase für die Anwohnenden
Wo heute Spaziergänger, Hundebesitzer und Entspannungssuchende die Natur genießen, befand sich zuvor die historische IV. Berliner Gasanstalt. Für das prestigeträchtige Wohnpark-Projekt der DDR-Führung, das pünktlich zur 750-Jahr-Feier Berlins fertiggestellt werden sollte, wurden die alten Industrieanlagen und Gasometer im Jahr 1984 unter Protesten der Bevölkerung gesprengt.
Ernst Thälmann und sein monumentales Denkmal

Namensgeber der Anlage ist Ernst Thälmann (1886–1944), der in der Weimarer Republik als Vorsitzender der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) eine der einflussreichsten politischen Figuren war. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verbrachte er elf Jahre in Einzelhaft, bevor er 1944 im Konzentrationslager Buchenwald ermordet wurde. In der DDR wurde er als antifaschistischer Widerstandskämpfer heroisiert, während seine historische Rolle als treuer Stalinist nach dem Mauerfall stark debattiert wurde.
An ihn erinnert das unübersehbare, monumentale Ernst-Thälmann-Denkmal an der Greifswalder Straße. Die kolossale Bronzeplastik wurde vom sowjetischen Bildhauer Lew Kerbel geschaffen, ist 14 Meter hoch und wiegt rund 50 Tonnen. Sie zeigt Thälmanns Büste mit geballter Faust vor einer Arbeiterfahne. Nach der Wiedervereinigung gab es heftige Diskussionen über einen Abriss, doch das Denkmal blieb als historisches Zeugnis erhalten und steht seit 2014 unter Denkmalschutz. Eine Infotafel ordnet Thälmanns Biografie heute kritisch ein.
Der Kiezteich: Eine gerettete Oase

Der Kiezteich liegt versteckt hinter der leichten Bewaldung des Ernst-Thälmann-Park. Die künstliche Teichanlage wurde im Jahr 1985 angelegt. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sie sich zu einem wertvollen, geschützten Biotop mitten in der Großstadt. Trotz des umgebenden Betons ist der eingezäunte Teich heute ein wichtiges Amphibienschutzgebiet. Er bietet Heimat für Frösche, Kröten, Libellen und seltene Vögel wie Mandarinenenten oder Eisvögel.
Weil das Gewässer keinen natürlichen Zu- oder Abfluss hat, drohte ihm 2007 das Aus. Der Bezirk wollte den Teich denn auch aus Geldmangel zuschütten. Eine engagierte Anwohnerinitiative verhinderte das aber glücklicherweise. Seitdem pflegen ehrenamtliche Nachbarn den Teich in Eigenregie und sie sichern die Wasserqualität ausschließlich über Spenden. So konnte diese urbane Oase für Mensch und Tier bewahrt werden.