Ihr habt das Gefühl, schon alle architektonischen Wahrzeichen rund um Berlin besucht zu haben? Von einer historischen Mühlenanlage im Grünen bis hin zum Park Sanssouci, der Sehenswürdigkeit schlechthin mit seinen zahlreichen traumhaften Orten, gibt es jede Menge zu entdecken. Doch die berühmte Schloss- und Gartenanlage hat noch viel mehr zu bieten: Wusstet ihr, dass sich hier auch ein goldener chinesischer Gartenpavillon versteckt? Das Chinesische Haus im Park Sanssouci gehört zu den außergewöhnlichsten Bauwerken der Potsdamer Parklandschaft.

Mit seinen vergoldeten Figuren, kunstvollen Rokoko-Verzierungen, Palmensäulen und dem historischen Porzellan wirkt der Pavillon beinahe wie ein kleines Märchenschloss mitten im Grünen. Er befindet sich nicht in Berlin selbst, sondern im Park Sanssouci in Potsdam und lässt sich daher perfekt mit einem Tagesausflug verbinden. Friedrich der Große ließ das Chinesische Haus im 18. Jahrhundert als Gartenpavillon seiner Sommerresidenz errichten. Architektonisch verbindet das Gebäude das europäische Rokoko mit der damals an europäischen Fürstenhöfen beliebten Chinoiserie. Dabei handelt es sich nicht um authentische chinesische Architektur, sondern um eine europäische Interpretation und Fantasievorstellung chinesischer Kunst und Kultur. Das runde Zentrum des Gebäudes wird durch drei seitliche Kabinette ergänzt und von zahlreichen aufwendig gestalteten Figuren umgeben.
Besonders auffällig sind die vergoldeten Figuren, die rund um den Pavillon sitzen und stehen. Sie zeigen Menschen unter anderem beim Essen, Trinken und Musizieren. Hinzu kommen ungewöhnliche Säulen in Form von vergoldeten Palmen, die den exotisch anmutenden Charakter des Gebäudes zusätzlich unterstreichen. Der Figurenschmuck wurde unter anderem von den Bildhauern Peter Benckert und Johann Gottlieb Heymüller geschaffen.

Auch im Inneren setzt sich die aufwendige Gestaltung fort. Das Chinesische Haus verfügt über einen großen Festsaal und drei kleinere Räume. An den Wänden befinden sich vergoldete Konsolen, auf denen Porzellan aus dem 18. Jahrhundert präsentiert wird. Ein weiteres Highlight ist das große Deckengemälde im Festsaal, das eine idealisierte chinesische Gesellschaft innerhalb einer illusionistischen Architekturkulisse darstellt. Auch exotische Motive und Tiere wie Papageien und Affen sind Teil der Gestaltung.
Das Chinesische Haus ist mittlerweile mehr als 250 Jahre alt und gehört zum historischen Ensemble des Parks Sanssouci. Dieser wiederum ist Teil des UNESCO-Welterbes „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“. Das gesamte Welterbe erstreckt sich über rund 500 Hektar und umfasst etwa 150 Gebäude, die zwischen 1730 und 1916 entstanden sind. Damit befindet sich der kleine goldene Pavillon inmitten einer der bedeutendsten historischen Kulturlandschaften Deutschlands.
Auch 2026 könnt ihr das Chinesische Haus von innen besichtigen. Während der Saison von Mai bis Oktober ist es dienstags bis sonntags von 10 bis 17:30 Uhr geöffnet. Montags bleibt das Gebäude geschlossen, ebenso am 2. September 2026. Der letzte Einlass erfolgt jeweils 30 Minuten vor der Schließung. Von November bis April bleibt das Innere für Besucher geschlossen.