Wo findet man heute noch wirklich unberührte Natur? Fast überall wurde sie vom Menschen verändert, genutzt oder umgestaltet. Das bedeutet natürlich nicht, dass diese Orte nicht idyllisch und malerisch sind – vom „Lagunendorf“ über den ältesten Kurort Brandenburgs bis hin zum symmetrischsten Dorf des Bundeslandes. Doch selbst inmitten dieser schönen Landschaften hat die Nutzung ihre Spuren hinterlassen. Gleichzeitig gibt es in Brandenburg einige besondere Rückzugsorte ursprünglicher Natur – darunter das Nonnenfließ, eines der ökologisch wertvollsten Fließgewässer der Region. Und heute möchten wir euch einen ganz besonderen Fleck nahezu unberührter Wildnis vorstellen: der Buchenwald Grumsin in der Uckermark, etwa 80 Kilometer nordöstlich von Berlin und rund 10 Kilometer von Angermünde entfernt. Das Gebiet gehört zum Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und zählt zu den beeindruckendsten Naturerlebnissen Brandenburgs.

Seit 2011 ist der Grumsiner Forst Teil des UNESCO-Weltnaturerbes „Alte Buchenwälder Europas“. Er zählt zu den letzten großflächigen, nahezu unberührten Rotbuchenwäldern Mitteleuropas. Hier lässt sich nachvollziehen, wie sich die Landschaft nach der letzten Eiszeit entwickelte – lange bevor intensive Forstwirtschaft einsetzte. Besonders beeindruckend ist das rund 590 Hektar große Kerngebiet mit über 200 Jahre alten Rotbuchen. Im Kernbereich findet kein Holzeinschlag statt; natürlicher Zerfall und Nachwuchs erfolgen ohne menschliches Eingreifen. Moore, kleine Seen und eiszeitlich geformte Hügel prägen die Landschaft. Umgestürzte Bäume bleiben dort liegen, wo sie fallen, Totholz wird nicht entfernt und schafft wertvollen Lebensraum für seltene Arten. Genau dieses scheinbar „ungepflegte“ Erscheinungsbild macht den Wald ökologisch so bedeutend.
Der Grund für seine weitgehende Unberührtheit liegt in seiner Geschichte: Der Wald blieb vor allem deshalb erhalten, weil er über Jahrhunderte als Jagdgebiet der preußischen Könige diente. Später wurde er in großflächige Schutzgebiete integriert und blieb so von intensiver forstwirtschaftlicher Nutzung verschont.

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Der Wald ist Lebensraum zahlreicher geschützter Arten, darunter Seeadler, Schwarzstorch, Fischotter, verschiedene Fledermausarten und seltene Käfer. Im Frühjahr verwandeln Buschwindröschen den Waldboden in ein weißes Blütenmeer. Besonders bedeutsam ist der hohe Anteil an Alt- und Totholz – ein entscheidender Lebensraum, der in Wirtschaftswäldern kaum noch zu finden ist.
Wichtig zu wissen: Das eigentliche Kerngebiet des Buchenwald Grumsin darf nicht betreten werden. Rund um das Schutzareal führen jedoch ausgewiesene Wanderwege, etwa bei Altkünkendorf oder Grumsin. Beliebt sind Rundtouren zwischen 6 und 12 Kilometern, die faszinierende Einblicke in diese besondere Waldlandschaft ermöglichen.