Berlin verändert sich ständig – und fast täglich gibt es neue Orte, spannende Neuzugänge und überraschende Entwicklungen zu entdecken. Ob der Einzug von New Yorker und einem XXL-REWE in die Mall of Berlin oder ein Adults-only-Boutique-Hotel in einem ehemaligen Frauengefängnis: Die Hauptstadt bleibt abwechslungsreich, unerwartet und immer für eine Überraschung gut. Und auch im Sommer ist ein besonderer Neuzugang dazugekommen: Seit Juni 2026 gibt es in Neukölln den Sri Ganesha Hindu Temple Berlin – einen hinduistischen Tempel an der Hasenheide 106, der mit seiner imposanten Architektur und seinem südindischen Dravidian-Stil einen ganz besonderen Blickfang in der Stadt darstellt.

Er ist Ganesha gewidmet – der hinduistischen Gottheit mit Elefantenkopf, die unter anderem mit Weisheit, Glück und dem Überwinden von Hindernissen verbunden wird. Das Besondere ist die Architektur: Es handelt sich um einen Tempel im südindischen Dravida-Stil. Besonders auffällig ist der rund 17 Meter hohe Turm, der als Vimana bzw. in den Projektbeschreibungen auch als Raja-Gopuram bezeichnet wird und reich mit goldenen Elementen verziert ist. Die Fassade ist intensiv blau und mit traditionellen Ornamenten gestaltet.
Das ist kein zufälliger dekorativer Stil. Der Dravida-Stil stammt aus Südindien und ist insbesondere mit den großen hinduistischen Tempeln Tamil Nadus und anderer südindischer Regionen verbunden. Der Berliner Tempel wurde nach Angaben des Vereins mit Unterstützung eines Sthapati-Büros aus Mahabalipuram geplant. Mahabalipuram ist ein historischer Tempel- und Kunstort in Tamil Nadu, der für seine steinernen Tempelanlagen und Bildhauerkunst bekannt ist. Ein besonders interessantes Detail: Für den Tempel wurden Granit-Murtis – also geweihte Darstellungen hinduistischer Gottheiten – aus Südindien nach Berlin gebracht. Die zentrale Ganesha-Figur wurde aus schwarzem Granit in Südindien gefertigt und anschließend nach Berlin transportiert.

Der Tempel ist keine plötzlich entstandene Attraktion aus dem Jahr 2026. Hinter dem Bau steckt vielmehr eine über 20-jährige Geschichte: Der Trägerverein wurde bereits am 24. September 2005 gegründet. Zwischen der Vereinsgründung und der Einweihung im Juni 2026 liegen damit fast 21 Jahre. Auch die Finanzierung des Projekts ist bemerkenswert. Nach Angaben des Tempelvereins beliefen sich die Gesamtkosten auf rund 1,1 Millionen Euro. Finanziert wurde der Bau demnach vollständig durch Spenden und sogenannte Sevā, also freiwilligen und selbstlosen Dienst innerhalb der Gemeinschaft.
Die feierliche Einweihung fand nicht nur an einem einzelnen Tag statt. Vom 3. bis 7. Juni 2026 veranstaltete die Gemeinde eine mehrtägige Zeremonie. Höhepunkt war am 7. Juni das Maha Kumbhabhishekam, die traditionelle große Weihezeremonie eines hinduistischen Tempels.
Zum täglichen religiösen Leben im Tempel gehören unter anderem Aarti, ein hinduistisches Licht-Ritual, sowie Gebete und Mantras. Außerdem werden Bhajans, also devotionaler Gesang, gesungen und verschiedene Puja-Zeremonien durchgeführt. Religiöse Feiertage und traditionelle hinduistische Lebensrituale gehören ebenfalls zum Programm.