Neben den drei Brücken zwischen Frankfurt (Oder) und Słubice in Polen gibt es nicht weit von Berlin noch weitere außergewöhnliche Brückenkonstruktionen zu entdecken. Eine davon ist die Kanalbrücke Magdeburg: Sie führt den Mittellandkanal über die Elbe und ermöglicht es Frachtschiffen, einen Fluss auf einer Brücke zu überqueren.

Die Schiffe fahren dabei durch einen mit Wasser gefüllten Stahltrog, während mehrere Meter unter ihnen die Elbe fließt und ebenfalls von Schiffen befahren werden kann. Östlich der Elbe setzt sich die Verbindung über den Elbe-Havel-Kanal fort. Auf diese Weise entstand eine direkte Wasserstraßenverbindung zwischen West- und Ostdeutschland.
Die Dimensionen des Bauwerks sind gewaltig. Die Kanalbrücke ist insgesamt 918 Meter lang und 43 Meter breit. Der für die Schifffahrt nutzbare Trog besitzt eine Breite von 32 Metern, während die maximale Stützweite der Konstruktion 106 Meter beträgt. Für den Bau wurden rund 24.000 Tonnen Stahl und 68.000 Kubikmeter Beton benötigt. Zum Vergleich: Für den Eiffelturm wurden rund 7.300 Tonnen Eisen verbaut. Allein die Stahlmenge der Magdeburger Kanalbrücke entspricht damit mehr als dem Dreifachen dieses Gewichts. Mit ihren 918 Metern gilt die Kanalbrücke Magdeburg als längste Kanalbrücke der Welt. Auch Guinness World Records führt das Bauwerk als Rekordhalter.

Die Geschichte der außergewöhnlichen Konstruktion reicht weit zurück. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es Pläne für eine direkte Verbindung der Wasserstraßen. Ab 1905 wurde der Mittellandkanal gebaut und in den 1930er-Jahren begannen schließlich auch die Arbeiten an einer Kanalbrücke über die Elbe. Das Projekt war bereits weit fortgeschritten, als die Bauarbeiten 1942 aufgrund des Zweiten Weltkriegs eingestellt wurden. Teile der Fundamente und Konstruktion waren zu diesem Zeitpunkt bereits entstanden.
Nach Kriegsende wurde das Projekt in der DDR jedoch nicht weitergeführt. Die Überreste der begonnenen Konstruktion standen deshalb jahrzehntelang an der Elbe. Erst nach der deutschen Wiedervereinigung wurde die Idee einer Kanalbrücke wieder aufgegriffen. Damit steckt in dem heutigen Bauwerk auch ein Stück deutscher Geschichte: Ein bereits vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs begonnenes Infrastrukturprojekt wurde erst Jahrzehnte später vollendet.
In den 1990er-Jahren wurden die Planungen für die Verbindung wieder aufgenommen. 1998 begann schließlich der Neubau der heutigen Kanalbrücke. Nach rund fünf Jahren Bauzeit konnte sie am 10. Oktober 2003 für den Verkehr freigegeben werden. Allein die Kanalbrücke kostete rund 130 Millionen Euro. Für das gesamte Wasserstraßenkreuz Magdeburg wurden mehr als 500 Millionen Euro investiert.