
Der Museumspark Rüdersdorf verbindet Freilichtmuseum, Naturgebiet und aktiven Steinbruch auf rund 17 Hektar. Hier kann man die über 750-jährige Geschichte des Kalksteinabbaus erleben, der für den Bau vieler Berliner Gebäude entscheidend war. Der Kalksteinabbau in Rüdersdorf begann bereits im 13. Jahrhundert durch Zisterziensermönche. Ein gesichertes Datum ist 1254, als Kalkstein aus Rüdersdorf für den Bau eines Dominikanerklosters verwendet wurde. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich der Ort zu einer der wichtigsten Baustoffquellen der Region. Kalk aus Rüdersdorf wurde unter anderem für bekannte Berliner Bauwerke genutzt, etwa für große historische Gebäude der Stadt.
Im 18. Jahrhundert modernisierte Preußen den Abbau stark. Besonders wichtig waren zwei Reformatoren des Bergbaus, Friedrich Anton von Heinitz und Friedrich Wilhelm Graf von Reden. Sie verbesserten Transportwege und Produktionstechniken und machten Rüdersdorf zu einem wichtigen Industriezentrum Preußens. Um den Stein schneller zu transportieren, wurden sogar Kanäle direkt in den Steinbruch gebaut, damit Schiffe das Material abholen konnten.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Ort zu einer großen Industrieanlage: Branntkalk wurde hergestellt, später kam auch die Zementproduktion hinzu. Es entstanden große Ofenanlagen und Fabriken, zudem wurde der Standort an die Eisenbahn und weitere Industrieanlagen angeschlossen. Ab 1870 wurde der Abbau sogar unterhalb des Grundwasserspiegels betrieben, was technisch äußerst anspruchsvoll war. Nach 1990 setzten sich Denkmalschützer und Bürger dafür ein, die historischen Industrieanlagen zu erhalten. Der Museumspark wurde 1994 eröffnet und entwickelte sich zu einem großen Freilichtmuseum.
Die berühmteste Anlage ist die Schachtofenanlage, auch „Kathedrale des Kalks“ genannt – eine riesige Ofenhalle aus dem 19. Jahrhundert, in der Kalk gebrannt wurde. Heute dient sie als Ausstellungs- und Veranstaltungsort. Direkt neben dem Park liegt ein noch aktiver Kalkstein-Tagebau. Besucher können bei Führungen den Steinbruch sehen und erfahren, wie der Abbau heute funktioniert. Das ist selten, weil man hier Industriegeschichte und moderne Produktion gleichzeitig beobachten kann. Eine geologische Besonderheit: Die Kalklagerstätte entstand vor etwa 246–239 Millionen Jahren im sogenannten Muschelkalkmeer der Trias. Im ansonsten sandigen Berliner Umland ist dieser Kalkstein eine geologische Ausnahme.