Wenn ihr eine Reise mit dem Zug nach/aus Berlin plant, müsst ihr euch auf spürbare Einschränkungen im Bahnverkehr einstellen. Denn die Waldbrände in Brandenburg haben großen Einfluss auf die kritische Verkehrsinfrastruktur rund um Berlin.
(Wenn ihr bereits in Berlin seid, bleibt am besten einfach hier und genießt schöne Konzerte bei Kerzenschein, tolle Biergärten und verrückte Ausstellungen.)
Waldbrände in Brandenburg: Das ist die Situation am Gleis
Spontane Streckensperrungen und Umleitungen

Die Fahrpläne der Deutschen Bahn sowie privater Bahnanbieter ändern sich derzeit ständig. Auf den wichtigen Transitstrecken durch Brandenburg kommt es immer wieder zu spontanen Vollsperrungen. Sobald sich ein Brandherd den Gleisanlagen nähert oder starker Rauch die Sicht behindert, ordnen die zuständigen Feuerwehren eine sofortige Einstellung des Zugverkehrs an.
Züge müssen in solchen Fällen oft weiträumig umgeleitet werden, was die Fahrzeit massiv verlängert. Besonders betroffen sind häufig die wichtigen ICE-Verbindungen aus dem Süden und Westen, die weite Teile der märkischen Nadelwälder durchqueren müssen.
Aber auch der Regionalverkehr ist bei Bränden stark in Mitleidenschaft gezogen. Oftmals müssen auf die Schnelle Schienenersatzverkehre mit Bussen eingerichtet werden – die aber auf gesperrten Landstraßen ebenfalls feststecken können.
Hitze als zusätzlicher Risikofaktor
Hohe Temperaturen können bei gleichzeitiger Brandgefahr zu präventiven Geschwindigkeitsbegrenzungen führen. Dies geschieht, um potenziellen Funkenflug durch stark bremsende Züge in trockenen Waldgebieten zu minimieren. Zudem gibt es an heißen Tagen vermehrt hitzebedingte Störungen an der empfindlichen Signaltechnik.
Hier sind ein paar Tipps, um Frust bei der Anreise mit dem ICE zu vermeiden

Nutzt digitale Echtzeit-Informationen. Checkt kurz vor der Abfahrt sowie während der Fahrt nochmals die Apps und digitalen Auskunftssysteme der Bahnunternehmen (DB Navigator App und bahn.de oder die VBB-App für den lokalen Verkehr). Zusätzlich könnt ihr auch die amtlichen Warn-Apps angucken: NINA oder KATWARN.
Macht eure Fahrgastrechte geltend – und kennt den Unterschied zwischen Entschädigung und Erstattung! Seit einer EU-Reform im Sommer 2023 gelten bei extremen Naturereignissen wie großflächigen Waldbränden („höhere Gewalt“) neue Regeln. Ihr müsst hierbei genau zwischen zwei Begriffen unterscheiden:
- Die Entschädigung fällt weg: Wenn ihr trotz des Chaos fahrt und mit großer Verspätung ankommt, gibt es den gesetzlichen Anspruch auf 25 % oder 50 % Entschädigung des Ticketpreises bei höherer Gewalt meist nicht mehr.
- Die Erstattung bleibt: Wenn euer Zug ausfällt oder absehbar über 1 Stunde Verspätung hat und ihr euch entscheidet, die Reise gar nicht erst anzutreten (oder vorzeitig abzubrechen), habt ihr weiterhin das Recht auf eine 100-prozentige Erstattung des Ticketpreises. Die Bahn zahlt euch in diesem Fall also den vollen Preis zurück – auch bei Waldbränden!
Auch weiterhin: Wird euer ICE gestrichen oder hat absehbar mehr als 20 Minuten Verspätung am Zielort, ist in der Regel die Zugbindung automatisch aufgehoben. Ihr könnt dann einfach den nächsten Zug nehmen.
Zudem bleibt die Betreuungspflicht der Bahn voll bestehen! Strandet ihr über Nacht, weil keine Züge mehr in Richtung Berlin durchkommen, muss die Bahn eine alternative Weiterreise (beispielsweise per Bus oder Taxi) oder eine Hotelübernachtung organisieren und bezahlen.
Wie geht das in Zukunft weiter? Mehr Waldbrände, teure Lösungsvorschläge

Wetterbedingte Infrastrukturprobleme werden wohl in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Deswegen sollen in naher Zukunft Milliarden in die Resilienz des Schienennetzes fließen – unter anderem durch breitere Brandschneisen entlang der Gleise.
Aber eine schnelle, flächendeckende Lösung für die Waldgebiete in Brandenburg ist kurzfristig nicht zu erwarten. Wenn ihr also rund um Berlin mit dem Zug unterwegs seid, nutzt alle Infos, die ihr bekommen könnt, plant Verspätungen mit ein und besteht auf eure Rechte! Dann wird der Sommer trotzdem nice und ihr könnt entspannt reisen.