Kaum zu glauben, aber ein deutscher Agrarbetrieb aus der Region südlich von Leipzig sitzt derzeit auf tonnenweise Kartoffeln und weiß nicht, wohin damit. Eine massive Übermenge der beliebten Knolle ist übrig geblieben – die Bestellung wurde zwar bereits bezahlt, doch aufgrund der aktuellen Marktlage bestand kein Bedarf mehr. Damit die Kartoffeln nicht ungenutzt in den Lagern des Agrarbetriebs liegen bleiben und verderben, wurden sie im Rahmen einer gemeinsamen Aktion der Osterland Agrar GmbH, der Berliner Morgenpost und der Suchmaschine Ecosia nach Berlin gebracht. Zwei Tonnen davon gehen am Donnerstag, den 22. Januar 2026, zum Rathaus Neukölln und werden dort kostenlos ausgegeben. Pro Person werden dabei bis zu fünf Kilogramm verteilt.

Nicht nur am Rathaus Neukölln werden die Kartoffeln kilogrammweise an Privatpersonen verteilt – bereits 22 Tonnen gingen an die Berliner Tafel. Insgesamt wurden sie an 48 Ausgabestellen sowie an rund 400 soziale Einrichtungen verteilt. Auch Kitas und Hotels berichteten, dass sie eigene Ausgabestellen einrichten konnten und die Kartoffeln dort sehr schnell vergriffen waren. So wurden beispielsweise heute im „Garten der Sinne“ in Mahlsdorf kostenlos Kartoffeln ausgegeben.
Die Aktion verfolgt mehrere Ziele: Zum einen soll Lebensmittelverschwendung vermieden werden, da die Kartoffeln andernfalls zu Biogas oder Tierfutter verarbeitet worden wären. Zum anderen sollen bedürftige Menschen und Familien unterstützt und gleichzeitig ein stärkeres Bewusstsein für das Thema Food Waste geschaffen werden. Die Situation zeigt deutlich, wie stark Angebot und Nachfrage auf dem Agrarmarkt mitunter auseinanderklaffen. Die Kartoffelernte in Brandenburg fiel im vergangenen Jahr so üppig aus, dass der Vizepräsident des Landesbauernverbandes Teile seiner Ernte sogar in Biogasanlagen verwerten ließ, um sie überhaupt loszuwerden. Bereits Ende September hatte das Bundeslandwirtschaftsministerium mit der größten Kartoffelernte seit 25 Jahren gerechnet.
Die Kartoffeln können am Donnerstag, den 22. Januar 2026, zwischen 10 und 14 Uhr am Rathaus Neukölln (Eingang Innenhof Erkstraße, gegenüber der Erkstraße 3) abgeholt werden. Solange der Vorrat reicht, werden pro Person etwa vier bis fünf Kilogramm ausgegeben. Eigene Behälter wie Netze oder Rucksäcke sollten mitgebracht werden. Parkmöglichkeiten stehen vor Ort nicht zur Verfügung.