Wenn es um prähistorische Sonnenobservatorien geht, denken die meisten sofort an Stonehenge. Aber hättet ihr gedacht, dass das älteste Sonnenobservatorium der Welt mitten in Sachsen-Anhalt steht? Im kleinen Ort Goseck befindet sich eine rund 7.000 Jahre alte Kreisgrabenanlage, die sogar mehr als 2.000 Jahre älter ist als die Pyramiden von Gizeh und rund 2.000 Jahre vor Stonehenge entstand. Das Überraschende: Entdeckt wurde der „Kreis von Goseck“ erst 1991.
Obwohl auch Stonehenge nicht zu den sieben Weltwundern gehört, zieht die astronomische Anlage in Südengland Jahr für Jahr Millionen Menschen aus aller Welt an. Kein Wunder! Die monumentalen Steinbauten sind beeindruckend.

Doch die im Vergleich bescheidenere Holzkonstruktion in der Saale-Unstrut-Region in Sachsen-Anhalt ist mindestens genauso faszinierend und definitiv einen Besuch wert.
Älter als Stonehenge, aber bis 1991 verborgen
1991 entdeckte der Luftbildarchäologe Otto Braasch den rund 75 Meter großen „Kreis von Goseck“ aus der Luft inmitten eines Maisfeldes. Nach ersten Untersuchungen 1995 begannen einige Jahre später die Ausgrabungen. Dabei legten Archäologen einen Erdwall, einen Graben, zwei Holzpalisaden und drei Tore frei. Mithilfe der erhaltenen Pfostenspuren rekonstruierten Archäologen die Anlage originalgetreu und eröffneten sie 2005 zur Wintersonnenwende.
Während Goseck jahrtausendelang im Verborgenen lag und erst rekonstruiert werden musste, war Stonehenge nie unsichtbar. Das weltberühmte Megalith-Bauwerk in der südenglischen Grafschaft Wiltshire fasziniert die Menschheit bereits seit Jahrtausenden und wird seit dem 19. Jahrhundert von Reisenden aus aller Welt touristisch besucht. Seine genaue astronomische Funktion konnte jedoch erst durch die moderne Forschung zweifelsfrei bewiesen werden. Zuvor rankten zahlreiche Legenden um das Bauwerk.
Im Gegensatz zu Stonehenge war die astronomische Funktion nach den Ausgrabungen bei Goseck schnell klar.
Wie konnte Goseck als ältestes Sonnenobservatorium der Welt identifiziert werden?
Dass Goseck heute als ältestes Sonnenobservatorium der Welt gilt, verdanken Forschende zwei wichtigen Erkenntnissen. Mithilfe der Radiokarbondatierung der im Kreisgraben gefundenen Tierknochen bestimmten Archäologen das Alter der Anlage auf etwa 4900 v. Chr. – also vor rund 7.000 Jahren. Astronomen rekonstruierten anschließend per Computer den damaligen Lauf der Sonne. Dabei zeigte sich: Die beiden südlichen Tore waren exakt auf den Sonnenauf- und -untergang zur Wintersonnenwende ausgerichtet. Die Menschen der Jungsteinzeit nutzten die Anlage also gezielt, um den Himmel zu beobachten.
Wann kann man das deutsche Stonehenge aus Holz besuchen?

Die Kreisgrabenanlage könnt ihr das ganze Jahr über rund um die Uhr besuchen – schließlich ist sie frei zugänglich und nicht eingezäunt. Wenn ihr tiefer in ihre Geschichte eintauchen möchtet, lohnt sich eine Führung oder ein Besuch im Informationszentrum im Schloss Goseck. Öffentliche Führungen werden von April bis Oktober am Nachmittag angeboten. Wenn ihr euch nach ein wenig Ruhe sehnt, ist ein Besuch zum Sonnenauf- oder Sonnenuntergang ideal. Ein echtes Highlight sind außerdem besondere Daten wie die Sommer- oder Wintersonnenwende, wenn die Anlage ihre astronomische Bedeutung besonders eindrucksvoll zeigt.
So gelangt ihr ganz einfach von Berlin nach Goseck
Das Observatorium ist gut ausgeschildert. Mit dem Auto fahrt ihr von Berlin über die A9 bis zur Ausfahrt Weißenfels und anschließend über die B87 nach Goseck. Am Wanderparkplatz könnt ihr das Auto kostenlos abstellen. Von dort sind es nur etwa zehn Minuten zu Fuß. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln geht es ebenfalls unkompliziert. Nehmt den Zug bis Halle bzw. Weißenfels und dann den Bus bis Goseck. Von der Haltestelle erreicht ihr die Anlage nach einem kurzen Spaziergang.