Ob im Stil des Klassizismus, des Barocks oder der Renaissance gestaltet, die Architektur der Schlösser nahe Berlin beeindruckt immer wieder aufs Neue. Bei unseren Ausflügen entdecken wir meist einen bestimmten Architekturstil und bewundern die weitläufigen Schlossparks, oft inspiriert vom englischen Landgutstil. Doch das Schloss, das wir euch heute vorstellen möchten, vereint gleich zwei architektonische Welten in sich. Denn es ist weder rein klassizistisch noch ausschließlich neobarock. Als sogenanntes Doppelschloss verbindet Schloss Karow nahe Plau am See beide Stilrichtungen auf außergewöhnliche Weise miteinander.

Schloss Karow ist eines dieser eher unbekannten Schlösser im Norden Deutschlands, das fast wie aus einem Film wirkt. Abgelegen zwischen Seen, Wäldern und alten Gutshäusern der Mecklenburgischen Seenplatte entfaltet der Ort eine besondere Atmosphäre. Gerade die Mischung aus aristokratischer Ruhe, leicht morbidem DDR-Nachhall und romantischer Natur macht Schloss Karow heute so einzigartig.
Die Ursprünge des Gutes reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Das heutige sogenannte „alte Schloss“ entstand gegen Ende des 18. Jahrhunderts, etwa um 1789 beziehungsweise 1800. Anfang des 20. Jahrhunderts, zwischen 1903 und 1907, wurde die Anlage um einen monumentalen neobarocken Erweiterungsbau ergänzt. Das gesamte Gut umfasste einst rund 3.132 Hektar Land und gehörte damit zu den größten Anwesen der Region.
Besonders außergewöhnlich ist, dass Schloss Karow eigentlich ein sogenanntes „Doppelschloss“ ist. Auf dem Gelände stehen zwei architektonisch völlig unterschiedliche Herrenhäuser direkt nebeneinander. Einerseits gibt es den klassizistischen Bau aus dem späten 18. Jahrhundert, andererseits den imposanten neobarocken Erweiterungsbau aus der Kaiserzeit. Diese Kombination zweier Baustile mit fast 200 Jahren Abstand gilt in Mecklenburg-Vorpommern als nahezu einzigartig.

Auch die Geschichte hinter dem Schloss ist bemerkenswert. Im Jahr 1898 kaufte der Berliner Großkaufmann Johannes Schlutius das Anwesen und entwickelte es zu einem riesigen Gutskomplex. Für den Ausbau engagierte er sogar Ernst Eberhard von Ihne, den Hofarchitekten von Kaiser Wilhelm II. Wie viele ostdeutsche Schlösser blickt auch Schloss Karow auf eine wechselhafte Vergangenheit zurück. Während des Zweiten Weltkriegs diente das Gebäude unter anderem als Unterkunft für evakuierte Schüler aus Rostock. Danach wurde es als Lazarett, Flüchtlingsunterkunft, Schule, Wohnraum und später auch als Ausbildungsstätte in DDR-Zeiten genutzt.
Heute verfügt Schloss Karow über 13 Gästezimmer und bietet Platz für etwa 38 Übernachtungsgäste. Für Hochzeiten und Veranstaltungen können je nach Konzept etwa 40 bis 100 Personen empfangen werden. Insgesamt gibt es 28 reguläre Betten sowie zusätzliche Aufbettungsmöglichkeiten.