Schonmal was von Musikkuratoren gehört? Eine Frage, die vermutlich viele Leute mit Nein beantworten würden – und das ist nicht besonders verwunderlich. Die Position ist bei den meisten Menschen, die nicht unbedingt selber schonmal Berührungspunkte mit der Musikindustrie hatten, noch relativ unbekannt. Dabei ist sie extrem essenziell und unglaublich wichtig für die reibungslose Konzeption einer Konzertproduktion.
Hinter den Kulissen von Vorzeige-Erlebnissen wie Candlelight und anderen Produktionen von Fever Originals steckt ein globales Team, welches dafür sorgt, dass auf diesen erstklassigen Bühnen höchste musikalische Qualität geboten wird: das Fever Music Team. Wir haben uns mit den Experten zu einem offenen Gespräch zusammengesetzt und gewannen einige spannende Einblicke in ihre täglichen Pflichten, Freuden und Herausforderungen.

Das hochqualifizierte Team hinter den Kulissen
Die Rolle von Musikkuratoren ist vielschichtig und vereint diverse Aufgaben – von routinemäßigen Unternehmenstätigkeiten bis hin zu kreativer Arbeit wie der Entdeckung neuer Musik und der Betreuung von Arrangements. Der gemeinsame Nenner: Es handelt sich um Arbeit, die hinter den Kulissen stattfindet.
Hinter der weltweit erfolgreichen Candlelight-Konzertreihe von Fever steht ein hochqualifiziertes Team aus 14 internationalen Experten, die die Kluft zwischen anspruchsvoller Theorie und der elektrisierenden Energie einer Live-Show überbrücken. Darunter finden sich unter anderem promovierte Musikwissenschaftler, Absolventen von Masterstudiengängen in Musikphilosophie und sogar ehemalige Broadway-Darsteller. Sie sind es, die entscheiden, welche Stücke für die jeweiligen Programme vorgetragen werden, wie sie arrangiert und von wem sie letztendlich auf die Bühne gebracht werden.
Statt Playlists per Algorithmus zusammenzuklicken, agieren sie als künstlerische Schaltzentrale: Sie suchen Talente, entwerfen Programme und überprüfen jede Note. Ihr Ziel: Konzerte, die sich nicht wie ein starres Produkt, sondern wie ein echtes, einmaliges Kulturerlebnis anfühlen.
Die Wissenschaft der Setlist
Was das Publikum als einen entspannten Konzertabend wahrnimmt, ist in Wahrheit das Ergebnis präziser Analyse. Die Kuratoren vereinen akademisches Wissen mit praktischer Musikerfahrung – viele von ihnen sind selbst aktive Cellisten, Violinisten, Pianisten oder Schlagzeuger. Dadurch stellen sie sicher, dass sich die Hommagen von Candlelight, die aus vielen verschiedenen Genres hervorgehen, auch technisch problemfrei auf ein klassisches Ensemble wie ein Streitquartett oder ein Klavier übertragen lassen.
„Das Ziel ist immer dasselbe: Erlebnisse zu schaffen, die jenes magische, unbeschreibliche Gefühl auslösen, das man beim Betrachten von Kunst empfindet.“
Die Erstellung einer Setlist gleicht dabei einer Wissenschaft: Popularität, Dramaturgie, kultureller Kontext und musikalische Machbarkeit werden sorgfältig abgewogen. Intention ist es, ein Gleichgewicht zwischen bekannten Hits und „Hidden Gems“ zu schaffen; immer mit dem Anspruch, sowohl eingefleischte Fans als auch Neulinge abzuholen.

Trotz ihrer globalen Struktur arbeitet das Team stark lokal. Jede Region hat eigene Kuratoren, die die kulturellen Feinheiten ihres Marktes kennen. Denn Musik funktioniert nunmal in Berlin einfach etwas anders als in São Paulo. Diese lokale Expertise ist entscheidend, um Programme zu entwickeln, die wirklich resonieren und nicht nur auf globalen Trends basieren.
„Wir wollen nicht, dass sich klassische Konzerte wie ein Museum anfühlen, das man besucht, um alte Kunstwerke zu sehen.“
Die Arbeit der Kuratoren geht weit über die reine Musikauswahl hinaus. Sie agieren als eine Art „musikalische Privatdetektive“: Sie durchforsten Social Media, Archive und diverse Netzwerke, um die besten lokalen Talente zu finden und fungieren gleichzeitig als eine Brücke zwischen Wirtschaft und Kunst, indem sie geschäftliche Anforderungen in eine Sprache übersetzen, die Musiker verstehen – ohne dabei ihre künstlerische Integrität zu opfern.
Ihr Anspruch: Klassische Konzerte sollen sich nicht wie eine Galerie anfühlen, in der man sich uralte Kunstwerke anschaut, sondern vielmehr „Teil eines fortlaufenden Dialogs mit der Kultur sein, der von ihr geprägt ist und sie gleichzeitig mitgestaltet“.

Menschliche Expertise statt kalter Algorithmen
„Meiner Meinung nach ist Musik deshalb etwas Besonderes, weil sie zutiefst menschlich ist: Sie ist abstrakt, entzieht sich jeder Beschreibung und doch kann sie uns berühren und unsere Wahrnehmung der Welt allein durch das Hören prägen.“
Beim Thema KI ist die Haltung im Fever Music Team ausgewogen: Es gibt definitiv gewisse Tools, die bei organisatorischen Aufgaben oder Datenaufbereitung hilfreich sein können, doch die eigentliche kreative Kuratierung bleibt bewusst in menschlicher Hand. Für die Kuratoren ist Musik kein Datensatz, sondern ein lebendiges Kunstwerk, das Erfahrung, Intuition und reale Emotionen erfordert.
„Musik ist etwas Lebendiges, Atmendes, geschaffen von lebendigen, atmenden Künstlern, und es wäre unglaublich respektlos gegenüber dieser Kunstform, (…) den schönsten Teil der Arbeit der KI zu überlassen.“
Der Qualitätsanspruch der Kuratoren ist fest in ihrer Arbeit hinterlegt. Technologie wird als nützliches Werkzeug verwendet, um mehr Zeit für jene Aufgaben zu haben, die ein Algorithmus schlichtweg niemals übernehmen könnte. Letzten Endes ist ihr Ziel schließlich, nicht nur Konzerte zu produzieren, sondern Erlebnisse zu schaffen, die Menschen berühren – und das gelingt nur durch echte künstlerische Expertise. In einer Branche, die sich rasant immer weiter digitalisiert, tragen die Kuratoren damit ihren Teil dazu bei, die Menschlichkeit zu bewahren, die Musik für uns ausmacht.
Kuratoren: Pablo Moreno Sánchez, Robert Tyler Bechtle, Javier Calderari Torres, Ricky Schweitzer, Ana Sofía Vela Ramirez, Andree-Ann Deschenes, Hyunmin Kang, German Ocampo Barrera, Adrian Martens, Paula Gonzalez, Paula Flores, Lulu Whittington, Ross Raymond Mccaw und Aalok Gandhi