Wer durch Berlin spaziert, hat manchmal das Gefühl, zwischen all den modernen Gebäuden noch immer das Flüstern der Vergangenheit zu hören. Beeindruckende Architektur begegnet uns an fast jeder Ecke, und hinter vielen Fassaden verbergen sich Geschichten, die selbst eingefleischte Berliner:innen überraschen dürften. Von einem längst vergessenen Stadtteil zwischen Mitte und Kreuzberg bis hin zum einst größten Bahnhof Kontinentaleuropas, von dem heute nur noch das Eingangsportal erhalten ist – die Hauptstadt steckt voller faszinierender Zeugnisse vergangener Zeiten. Heute nehmen wir euch mit auf eine Zeitreise zum Leipziger Platz, wo einst das größte Warenhaus Europas stand. 120 Jahre später befindet sich hier die Mall of Berlin – und dazwischen liegt eine Geschichte voller Luxus, Zerstörung, legendärer Technonächte und spektakulärer Verwandlungen.

Das ehemalige Kaufhaus Wertheim am Leipziger Platz gehörte einst zu den beeindruckendsten Einkaufsstätten Europas. Zwischen 1896 und 1906 entstand nach den Entwürfen des Architekten Alfred Messel ein monumentaler Gebäudekomplex, der seinerzeit als „schönstes Kaufhaus Deutschlands“ bezeichnet wurde. Mit einer Nutzfläche von rund 112.000 Quadratmetern, einer Verkaufsfläche von etwa 70.000 Quadratmetern und einer 240 Meter langen Hauptfassade übertraf das Warenhaus die Dimensionen bisheriger deutscher Kaufhäuser. Doch die Geschichte des Standorts reicht weit über den Einzelhandel hinaus. Nach der Enteignung des jüdischen Unternehmens durch die Nationalsozialisten, den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und dem späteren Abriss entwickelte sich das Gelände Jahrzehnte später zu einem bedeutenden Ort der Berliner Technokultur. In den ehemaligen Tresorräumen eröffnete 1991 der legendäre Techno-Club Tresor. Seit 2014 befindet sich auf einem Teil des historischen Areals die Mall of Berlin.
Als das Kaufhaus Wertheim Ende des 19. Jahrhunderts am Leipziger Platz entstand, entwickelte sich Berlin zunehmend zu einer der wichtigsten Handelsmetropolen Europas. Der jüdischen Unternehmerfamilie Wertheim war es gelungen, aus einem Handelsunternehmen eine der bekanntesten Warenhausketten Deutschlands aufzubauen. Am 15. November 1897 eröffnete das Kaufhaus an der Leipziger Straße erstmals seine Türen. In den folgenden Jahren wurde der Gebäudekomplex kontinuierlich erweitert und entwickelte sich zu einem architektonischen Wahrzeichen der Hauptstadt.
Der renommierte Architekt Alfred Messel entwarf ein für seine Zeit außergewöhnlich modernes Warenhaus, das sich sowohl durch seine Architektur als auch durch seine gewaltigen Dimensionen von anderen Einkaufsstätten abhob. Zwischen 1896 und 1906 entstand in mehreren Bauabschnitten ein monumentaler Komplex, der in den darauffolgenden Jahren weiter vergrößert wurde. Das Grundstück erstreckte sich über rund 27.000 Quadratmeter und reichte bis in die Voßstraße hinein. Allein die Hauptfassade entlang der Leipziger Straße war etwa 240 Meter lang. Hinzu kamen weitere 90 Meter am Leipziger Platz.

Nach seinen Erweiterungen erreichte das Warenhaus eine Nutzfläche von rund 112.000 Quadratmetern und eine Verkaufsfläche von etwa 70.000 Quadratmetern. Damit galt das Wertheim seinerzeit als größtes Warenhaus Europas. Wie beeindruckend diese Dimensionen waren, zeigt ein Vergleich mit dem weltberühmten Londoner Luxuskaufhaus Harrods, dessen Verkaufsfläche mit rund 63.000 Quadratmetern angegeben wird. Das historische Berliner Warenhaus übertraf damit sogar die Verkaufsfläche eines der bekanntesten Kaufhäuser der Welt.
Nicht nur seine Größe, sondern auch seine außergewöhnliche Architektur machte das Kaufhaus Wertheim zu einer Besonderheit. Alfred Messel verband eine repräsentative Fassade mit großen Fensterflächen, lichtdurchfluteten Verkaufsräumen und einer für die damalige Zeit ausgesprochen modernen Innenarchitektur. Besonders eindrucksvoll waren die großzügigen Lichthöfe, durch die Tageslicht tief in das Gebäude gelangen konnte. Aufwendige Materialien, monumentale Treppenanlagen und moderne technische Einrichtungen sorgten dafür, dass der Einkauf zu einem besonderen Erlebnis wurde.