Brandenburgs Natur lässt mit ihrer Vielfalt kaum Wünsche offen. Ein japanischer Bonsaigarten hier, ein idyllischer Birnengarten dort und dazwischen unzählige weitere Überraschungen, die die Region für besondere Ausflüge bereithält. Man muss nur wissen, wohin es sich zu gehen lohnt. Doch genau darin liegt oft die Qual der Wahl – oder es fehlen die Geheimtipps, die man noch nicht kennt. Und genau hier kommen wir ins Spiel: Wir entdecken ständig neue, beeindruckende Orte in Brandenburg, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen. Und heute haben wir einen Spot, der mit seiner Landschaft fast surreal wirkt: der Große Wanninchener See in Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen.

Was heute wie eine fast unwirkliche Naturkulisse erscheint, war einst ein riesiger Tagebau. Genau dieser radikale Wandel macht den Ort so faszinierend. Der See liegt in der Lausitzer Seenlandschaft, einem der größten künstlich entstandenen Seenkomplexe Europas. Früher befand sich hier der Braunkohletagebau Schlabendorf-Süd, der Anfang der 1990er Jahre nach der Wende stillgelegt wurde. In den darauffolgenden Jahren wurde das Gebiet kontrolliert geflutet, wodurch mehrere Seen entstanden – darunter auch der Große Wanninchener See. Das Ergebnis ist keine klassisch gewachsene Natur, sondern eine neu entstandene Landschaft, die sich bis heute stetig verändert.
Die Böden schimmern in ungewöhnlichen Farbtönen wie Ocker, Rot und Grau, die durch unterschiedliche Erdschichten entstehen. Gleichzeitig prägen sanfte Hügel, markante Abbruchkanten und weite, offene Flächen das Bild. Da die Landschaft noch jung ist, fehlen vielerorts gewachsene Strukturen, wodurch alles besonders roh und ursprünglich wirkt. Hinzu kommen die Stille und die Weite: Bebauung ist kaum vorhanden, Geräusche sind selten. So entsteht oft das Gefühl, sich nicht in Brandenburg zu befinden, sondern in einer fast außerirdisch anmutenden Umgebung.

Trotz – oder gerade wegen – seiner künstlichen Entstehung hat sich hier ein sensibles Ökosystem entwickelt. Über 1.500 Tier- und Pflanzenarten sind inzwischen heimisch, darunter seltene Vogelarten wie Seeadler, Kraniche und der Wiedehopf. Für viele bedrohte Arten ist die Region ein wichtiger Rückzugsort geworden – ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie erfolgreich Renaturierung sein kann.
Der Große Wanninchener See ist kein klassischer Badeort, sondern ein Ziel für Ruhe, Naturerlebnis und Entschleunigung. Auf ausgewiesenen Wegen kannst du wandern und immer wieder Aussichtspunkte mit weiten Blicken entdecken. Besonders lohnenswert ist die Vogelbeobachtung. Im Besucherzentrum Wanninchen erfährst du zudem mehr über die Entstehung der Landschaft. Wichtig: Viele Bereiche stehen unter Schutz und sind nicht frei zugänglich.