Ihr dachtet, die Brandenburger Landschaft könnte nicht noch schöner und vielfältiger werden? Da habt ihr euch geirrt. Neben einem großen Wildnisgebiet, donutförmigen Seen und einem 181 Hektar großen Waldtal ist das längst nicht das Ende der Naturschätze der Region. Besondere Seen, die aneinandergereiht sind, und auch solche mit ungewöhnlichen Formen kennen wir bereits – aber gleich 23 künstliche Seen auf 14.000 Hektar Wasserfläche? Genau das ist bereits im Entstehen und soll bis zum Sommer 2026 fertiggestellt werden. Damit entsteht in Ostdeutschland, in der Lausitz zwischen Brandenburg und Sachsen, Europas größte Seenlandschaft.

Ein einmaliges Projekt in Europa! Früher wurden in dieser Region über zwei Milliarden Tonnen Braunkohle abgebaut – zurück blieben gewaltige Krater in der Landschaft. Seit den 1990er-Jahren werden diese nach und nach geflutet und umgestaltet. So entwickelt sich aus dem ehemaligen Tagebaugebiet heute eine moderne Urlaubsregion mit Häfen, Kanälen und Campingplätzen. Ohne gezielte Flutung würde es allerdings 80 bis 100 Jahre dauern, bis sich die Seen auf natürliche Weise füllen.
Das Projekt nimmt dabei gigantische Ausmaße an: Insgesamt sollen zehn Seen durch Kanäle miteinander verbunden werden, sodass eine durchgehend befahrbare Wasserfläche von rund 7.000 Hektar entsteht. Dafür sind 13 schiffbare Kanäle geplant, von denen einige bereits fertiggestellt sind. Am Ende soll die gesamte Wasserfläche etwa 144 Quadratkilometer betragen – und damit fast so groß sein wie der berühmte Comer See.
Auch die Kosten sind enorm: Bisher wurden rund sieben Milliarden Euro investiert, insgesamt belaufen sich die Ausgaben auf etwa 13,8 Milliarden Euro. Die Herstellung eines einzelnen Sees kostet zwischen 200 und 600 Millionen Euro. Finanziert wird das Projekt zu 75 Prozent vom Bund und zu 25 Prozent von den Bundesländern.

Die Seen erfüllen dabei längst nicht nur touristische Zwecke. Sie dienen auch als wichtige Wasserspeicher für Flüsse und tragen zur ökologischen Stabilisierung der Region bei – insbesondere in Zeiten zunehmender Trockenheit. Ein wichtiger Meilenstein wird im Jahr 2026 erreicht: Am 29. Juni sollen fünf große Seen, darunter der Senftenberger und der Sedlitzer See, miteinander verbunden werden. Dadurch entsteht eine zusammenhängende Wasserfläche von rund 5.000 Hektar, die sich über etwa 50 Kilometer per Boot durchqueren lässt.
Ein besonderes Highlight ist der Sedlitzer See, der im April 2026 freigegeben wird. Mit einer Fläche von rund 1.400 Hektar wird er der größte Freizeitsee der Region sein und gilt zugleich als letzter großer Baustein des Projekts. Auch touristisch zeigt sich bereits ein deutlicher Aufschwung: Im Jahr 2025 wurden rund 800.000 Übernachtungen verzeichnet – insbesondere der tschechische Markt wächst stark. Langfristig wird ein Ziel von bis zu 1,5 Millionen Übernachtungen pro Jahr angestrebt.