Bei blauem Himmel und Sonnenschein bietet dieser Berg aus dem Zugfenster einen völlig absurden Anblick. Durch seine strahlend weiße Farbe sieht er aus wie ein verschneiter Alpengletscher, der sich mitten in eine grüne Hügellandschaft verirrt hat.
Wenn ihr euch auch schon gefragt habt, was es mit dem Berg auf sich hat (oder einfach nur das Titelbild krass fandet, auch okay), erklären wir euch hier alles über den Monte Kali in Heringen (Werra).
Der Monte Kali in Heringen an der Werra: Ein immer noch wachsendes Industriedenkmal

Der Monte Kali ist ein künstlich aufgeschütteter Berg aus Steinsalz, der eine Höhe von etwa 530 m ü. NN. erreicht (beeindruckende 200 bis 250 Meter über dem umliegenden Gelände). Er bedeckt eine Fläche von fast 100 Hektar – etwa 140 Fußballfelder!
Und weil der Berg als Abraumhalde für das Kaliwerk in Wintershall dient, wächst er stetig weiter. Jeden Tag transportiert ein 1,5 km langes Förderband 20.000 Tonnen (!) neues Salz auf den Gipfel. Heute besteht der Salzgigant aus weit über 200 Millionen Tonnen Material. Immerhin gibt es den Berg seit 53 Jahren!
Das gab auch schon Probleme: Wenn es regnet, wäscht das Wasser das Salz aus der Halde. Das hat die Werra zu einem stark salzhaltigen Fluss gemacht. Bei starkem Wind kann außerdem feiner Salzstaub vom Berg geweht werden, was in der Nachbarschaft immer wieder zu Problemen führt.
“Monte Kali” oder “Monte Kochsalz”?

Der Name „Monte Kali“ ist eigentlich nicht richtig. Der Berg besteht zu rund 96 % aus purem Natriumchlorid – also gewöhnlichem Kochsalz. Das namensgebende Kalium, das für Düngemittel gebraucht wird, wurde im Werk herausgefiltert. Trotzdem ist “Monte Kali” einfach mehr catchy als “Monte Kochsalz” …
Auf der eigentlichen Halde wächst absolut nichts. Die Salzkonzentration ist so hoch, dass keine Pflanzen dort überleben können. Der Berg ist keine Wüstenoase, sondern eine Oasenwüste inmitten der grünen hessischen Landschaft.
Theoretisch könntet ihr euer Frühstück mit dem Berg salzen. Zu empfehlen ist es allerdings nicht, denn das Salz ist verunreinigt und ihr hättet vermutlich Steine im Kaffee.
Eure „Alpentour“ mit Gipfelkreuz in Hessen!

Der Monte Kali ist ein beliebtes Ausflugsziel. Solltet ihr mal in der Gegend sein, könnt ihr eine geführte Tour buchen. Hier wandert ihr über die knirschende Oberfläche, die sich unter euren Schuhen anfühlt wie knarzender Schnee oder grober Sand. Eine Mondlandschaft in strahlendem Weiß, so etwas Surreales findet man sonst nur bei Ikono in Berlin!
So viel vorweg: Wie es sich für einen echten Berg gehört, wartet auf dem Gipfel des Monte Kali ein Gipfelkreuz! Bei gutem Wetter hat man von hier eine tolle Sicht auf die Rhön, den Thüringer Wald, den “Knüll” (das Knüllgebirge) und das umliegende hessische Land.
Wenn ihr also im ICE von Berlin nach Frankfurt seid (oder umgekehrt), schaut zwischen Eisenach und Fulda aus dem Fenster! Wenn ihr runterzus links [Richtung Frankfurt], raufzus rechts [Richtung Berlin] aus dem Fenster guckt, könnt ihr diesen absoluten Giganten spotten!