Gerade erst ist das Gallery Weekend Berlin zu Ende gegangen und mit ihm eine Fülle einzigartiger Eindrücke aus der Kunstwelt. Die ganze Stadt drehte sich an diesem Wochenende um neue Ausstellungen und verwandelte sich selbst in eine offene Galerie. Doch dass das Event vorbei ist, bedeutet nicht, dass auch die Ausstellungen enden. So hat die neue CHANEL Commission im Hamburger Bahnhof ebenfalls am 1. Mai begonnen, kann aber noch bis zum 10. Januar 2027 besucht werden. Dabei handelt es sich um die Ausstellung „We Make Years Out of Hours“ von Lina Lapelytė – eine lebendige, sich ständig verändernde Performance-Installation.

Präsentiert wird die Ausstellung in der historischen Halle des Museums, die rund 2.500 Quadratmeter umfasst. Im Zentrum steht eine riesige Fläche aus rund 400.000 Holzwürfeln, jeweils etwa 10 × 10 Zentimeter groß, die von Performern und Besucher:innen immer wieder neu angeordnet werden. Begleitet wird das Ganze von Gesang und Klang, wodurch eine bewegliche Landschaft entsteht, die zugleich als temporäre Architektur und kollektives Kunstwerk funktioniert. Die Arbeit versteht sich als ein lebendiges Monument zu Zeit, Fürsorge und Zusammenleben.
Ein zentraler Bestandteil bei „We Make Years Out of Hours“ ist der Sound. Gesungen werden Texte von insgesamt 15 internationalen Autor:innen, darunter Khalil Gibran, Etel Adnan, Mahmoud Darwish und Ocean Vuong. Die Texte bestehen aus Fragmenten, die sich mit Themen wie Gemeinschaft, Verlust, Hoffnung und Verbundenheit auseinandersetzen.

Besonders ist, dass das Werk nur durch Beteiligung funktioniert. Besucher:innen können selbst mitbauen, wodurch Strukturen entstehen und wieder verschwinden. Nichts bleibt fest, alles ist im ständigen Wandel. Dadurch wirft die Installation Fragen auf, etwa was bestehen bleibt, wer entscheidet, was aufgebaut oder zerstört wird, und welche Spuren wir hinterlassen.
Visuell und atmosphärisch wirkt die Arbeit zugleich minimalistisch und monumental. Sie bewegt sich zwischen Installation, Performance und sozialem Experiment und wird als meditativ, fast rituell, aber gleichzeitig politisch und emotional wahrgenommen.