Wer in Berlin nach einem ruhigen Ort zum Abschalten sucht, muss nicht erst idyllische Wanderwege außerhalb der Stadt besuchen. Zwischen Großstadttrubel und grauen Häuserfassaden findet ihr überraschend viele grüne Oasen, in denen ihr für einen Moment zur Ruhe kommen könnt. Eine davon ist der Orientalisch-Islamische Garten, auch als „Garten der vier Ströme“ bekannt. Er liegt in den Gärten der Welt in Berlin-Marzahn und wurde am 7. Juli 2005 eröffnet. Gestaltet wurde der Garten vom Landschaftsarchitekten Kamel Louafi, der dabei vom marokkanischen Gartenhistoriker Prof. Mohammed El Faïz beraten wurde.

Der eigentliche ummauerte Gartenhof ist rund 63 × 38 Meter groß. Gestaltet wurde die Anlage als orientalischer Gartenhof, ein sogenannter Riyâd. Eine etwa vier Meter hohe Mauer umschließt den Garten und greift damit die traditionelle Vorstellung einer geschützten Oase auf. Gleichzeitig orientiert sich die Gestaltung an der historischen Idee des Gartens als „Paradies auf Erden“. Auch der Begriff „Paradies“ steht laut den Gärten der Welt mit dem altpersischen Wort pairidaeza für einen ummauerten Raum in Verbindung.
Besonders beeindruckend ist der Saal der Empfänge, durch den Besucher*innen den Garten betreten. Das Gebäude wurde 2007 ergänzt und ist von der Architektur der Alhambra in Granada inspiriert. Als konkretes Vorbild diente unter anderem die Sala de la Barca. Auch das umlaufende Fayencemosaik orientiert sich an diesem historischen Vorbild.
Im Inneren treffen eine Glaskuppel, kunstvoll verzierte Säulen und Bögen, geschnitzte Kapitelle sowie marokkanische Zellij-Fliesen aufeinander. Auch Arkadengänge, Zedernholzelemente und aufwendig dekorierte Wände und Böden prägen den Saal. Wer also nach einem Ort in Berlin mit einem Hauch von Alhambra sucht, findet hier tatsächlich eine passende Kulisse. Wichtig ist allerdings: Nicht der gesamte Garten ist der Alhambra nachempfunden. Die Alhambra-Inspiration zeigt sich vor allem in der Gestaltung des Empfangssaals, während sich die gesamte Anlage an der orientalisch-islamischen Gartenkunst orientiert.

Der Garten ist streng geometrisch angelegt. In seiner Mitte befindet sich eine große Brunnenschale, von der aus sich vier Wasserläufe beziehungsweise Wasserbecken in die vier Bereiche der Anlage ziehen. Zwischen den Wasserläufen liegen vier rechteckige Beete.
Dieses sogenannte Viererschema ist typisch für die orientalisch-islamische Gartenkunst. Das Wasser erfüllt dabei nicht nur eine dekorative Funktion, sondern steht auch symbolisch mit der Vorstellung des Paradiesgartens in Verbindung. Neben Zierpflanzen finden sich im Garten außerdem Nutzpflanzen, sodass die Anlage Schönheit und praktische Nutzung miteinander verbindet. Auch die Bepflanzung unterstreicht den orientalischen Charakter des Gartens. Hier wachsen unter anderem Granatapfel- und Olivenbäume, Palmen, Jasmin, Oleander, Flieder, Geranien, Magnolien und Judasbäume. Dazu kommen verschiedene Ziergehölze und Stauden.
Besonders auffällig ist der Judasbaum, dessen violett-rosa Blüten im Frühjahr teilweise direkt am Holz erscheinen, bevor sich die Blätter entwickeln. Ein weiteres Highlight sind die zahlreichen marokkanischen Zellij-Mosaike. Nach Angaben der Gärten der Welt wurden für die Anlage rund 1,3 Millionen traditionelle Mosaiksteine verwendet. Die handgefertigten Elemente finden sich unter anderem an Mauern, Arkaden und Böden sowie an Sandstein-, Gips- und Holzelementen.